08.02.2024: Film: Ralf Kukula: Was bleibt – Architektur der Nachkriegsmoderne in Dresden

Am 8. Februar fand im Rahmen des Projektes RES URBANAE im Zentrum für Baukultur Sachsen ein Filmabend statt. Präsentiert wurde der 2009 entstandene Film„Was bleibt– Architektur der Nachkriegsmoderne in Dresden?“ (Regie: Ralf Kukula, Buch: Susann Buttolo).Der Film, der ohne Kommentar auskommt und ganz auf Bilder, Zeitzeugenschaft und fachliche Expertise setzt, markierte vor 15 Jahren den Beginn der Diskussion um die so genannte Ostmoderne. Nach wie vor eröffnet er einen Raum für einen tiefgehenden Austausch über die Zukunft der DDR-Architektur in Dresden, die Herausforderungen bei der Denkmalpflege und die Frage, wie diese Gebäude in die sich wandelnde Stadtlandschaft integriert werden können, ohne ihre ursprüngliche Identität und Bedeutung zu verlieren. Die Veranstaltung war ungewöhnlich gut besucht, was sicher auch an dem Umstand lag, dass Ralf Kukula und Susann Buttolo beide anwesend waren und ihren Film zusätzlich erläutern konnten. Eine lebhafte Diskussion und viele persönliche Gespräche schlossen sich an.

23.02.2024, 19 Uhr: Podiumsgespräch: Stadtvisionen und Stadtidentität

Das Podiumsgespräch, welches die Ausstellung „Dresden – Brest: Das Bild der Stadt und seine (Re-)Konstruktion” begleitet, findet am 23.02.2024 um 19:00 Uhr im Zentrum für Baukultur Sachsen statt. Dr. Matthias Lerm vom Amt für Stadtplanung und Mobilität der Stadt Dresden, Dr. Marcus van Reimersdahl vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und Prof. Dipl.-Ing. Angela Mensing von der TU Dresden diskutieren über das aktuelle Bau- und Planungsgeschehen vor dem Hintergrund des Vergleichs zwischen Brest und Dresden. Prof. Dr. Hans-Georg Lippert von der Technischen Universität Dresden moderiert das Gespräch.

08.02.2024: Film: Ralf Kukula: Was bleibt – Architektur der Nachkriegsmoderne in Dresden

Am 08. Februar wird der Dokumentarfilm „Was bleibt – Architektur der Nachkriegsmoderne in Dresden” gezeigt. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

Bauten wie der Kulturpalast, das Rundkino, das Centrum-Warenhaus oder der „Fresswürfel“ prägten in den Sechziger/Siebziger Jahren das Stadtzentrum Dresdens. Obwohl sie mit vielen Dresdner Biographien und Erinnerungen verknüpft sind, schienen diese Bauten in den Nachwendejahren einen schweren Stand zu haben. Dem entgegen stehen die Eintragungen in die Denkmalliste. Was ist das Besondere an diesen Bauwerken? Welche Ideen und Menschen standen hinter jenen Planungen, die das Bild der heutigen Stadt trotz aller Veränderungen immer noch prägen? Inwieweit werden diese Gebäude heute wertgeschätzt und erhalten? Diesen Spuren geht der Dokumentarfilm nach, zeigt Bauten, ihre Architekten und ihre Kritiker.

20.01.2024, 19 Uhr: Prof. Dr. Ingo Kolboom: „Sachsens ferner Nachbar: Die Bretagne – Land am Meer zwischen keltischem Erbe und französischer Gegenwart“

Am 20. Januar 2024 erzählt Prof. Dr. Ingo Kolboom, ehemaliger Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft, im Zentrum für Baukultur Sachsen über die Geschichte der sächsich-bretonischen Freundschaft und ihre Persprektiven.

Der Vortrag versteht sich als Hommage an die von den Bretonen einst initiierte, heute
nicht mehr existente Regionalpartnerschaft Sachsens mit der Bretagne. Mit dieser
Spurensuche soll an die Geschichte und das Potential, auch an das Scheitern dieser
Beziehung erinnert werden – mit einem Land, dessen Menschen, Geschichte,
Landschaften und Kultur ein faszinierendes Kaleidoskop regionaler Identität in
Frankreich und Europa darstellen.

18.01.2024, 19 Uhr: Künstlervortrag von Jahna Dahms im Zentrum für Baukultur Sachsen

Am 18. Januar 2024 hält die freie Künstlerin Jahna Dahms im Zentrum für Baukultur Sachsen einen Künstlervortrag, in dem sie ihr Kunstprojekt PARKPLATZ HISTORICAL LAYERS vorstellt.

Das Projekt entstand aus der Auseinandersetzung mit der archäologischen Hypothese, dass sich im Herzen Dresdens vor der eigentlichen Stadtgründung eine alte Siedlung mit einem bronzezeitlichen Kultplatz befunden haben könnte. So entstand die Idee, dass der Ort der Dresdner Frauenkirche nicht nur der historische, sondern möglicherweise auch der spirituelle Ausgangspunkt der Besiedlung war, was die große Sehnsucht nach dem Wiederaufbau der Frauenkirche erklären könnte, obwohl es zu dieser Zeit keine Gemeinde für diese Kirche gab.

Um diesem Gedanken nachzugehen und den Ort besser zu verstehen, wurde eine gründliche Vermessung durchgeführt. Dabei wurde ein ungewöhnlicher Abstand der Markierungslinien auf einem Parkplatz festgestellt. 

Archäologische Ausgrabungen in den Jahren 2001/2002 bestätigten die Existenz der ältesten Kirche und der bronzezeitlichen Siedlung und legten Siedlungs- und Bauschichten aus fast allen folgenden Jahrhunderten frei. Mit Unterstützung des Landesamtes für Archäologie Sachsen konnte eine erstaunliche Übereinstimmung zwischen den Mauerkronen verschiedener Jahrhunderte und der Struktur des bronzezeitlichen Gräberfeldes mit den Markierungslinien des Parkplatzes als künstlerische Korrespondenzhypothese entwickelt werden. 

In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen und dem Investor Arturo Prisco konnten die Markierungslinien des Parkplatzes auf der Grabungsfläche rekonstruiert werden. Die großformatige, planimetrische Zeichnung überlagert nicht nur die Bodenstruktur der Grabung, sondern auch die Höhenunterschiede der Mauerkronen von bis zu 8 Metern.

Die künstlerische Arbeit zeigt eine außergewöhnliche Kongruenz zwischen der historischen Anlage des Ortes und dem Parkplatz, die sich über die Jahrhunderte wiederholt hat. Aus der Vogelperspektive wurde die faszinierende Deckungsgleichheit verschiedener historischer Schichten im Grabungsplan sichtbar. Die Zeichnung vermittelt den Genius Loci des Ortes und offenbart die faszinierende Schönheit historischer Kontinuität.

16.12.2023, 19 Uhr: Converging Visions: Kunstvortrag von Ivana Radovanovic im Zentrum für Baukultur Sachsen

Am 16. Dezember 2023 hielt Ivana Radovanovic – eine Komponistin, die für Res Urbanae Stücke komponierte – einen Vortrag, in dem sie ihre Entwicklung als Komponistin vorstellte,  ihren musikalischen Werdegang teilte und eine Auswahl ihrer Arbeit zeigte, die von Kompositionen für Ensemble und Orchester bis hin zu audiovisuellen Werken für die Bühne reicht.

Ivana wurde aus über 100 Bewerbern ausgewählt, um im Rahmen des EU-Projekts Res Urbanae einen Künstleraufenthalt in Brest und Dresden zu absolvieren. Sie wird ihre Erfahrungen während des Aufenthalts mit dem Publikum teilen und eine ausführlichere Erklärung zu dem Stück „Converging Visions” abgeben, das sie speziell für die Wanderausstellung des Projekts (die vom 16. Dezember 2023 bis zum 25. Februar 2024 im Verkehrsmuseum in Dresden gezeigt wird) geschaffen hat :

„Converging Visions ist eine musikalische Geschichte, die sich um zwei unterschiedliche Städte mit einem gemeinsamen Schicksal dreht. Während meines Aufenthalts in Brest und Dresden habe ich mich bemüht, in die Geschichte, die Kultur und die Menschen dieser beiden Städte einzutauchen, mit dem vorrangigen Ziel, ihr Wesen wahrhaftig zu spüren. Indem ich mir die Vergangenheit vorstellte, die Gegenwart beobachtete und in die Zukunft blickte, schuf ich zwei musikalische Porträts, die diese sich im Wiederaufbau befindlichen Städte wie zwei harmonisch zusammenlaufende Visionen schildern.”

Hier der Link zu Ivanas Webseite: https://www.ivanaradovanovic.net

Res Urbanae – Blicke auf Städte im Wiederaufbau:Brest und Dresden

Diese Ausstellung zeigt die Arbeiten von Studierenden, die im Rahmen eines akademischen Austauschs zwischen der Fakultät Architektur der Technischen Universität Dresden (TUD),dem Institut Geoarchitektur der Universität der Westlichen Bretagne (UBO) in Brest und der Fakultät Architektur der Technischen Universität (VUT) Brünn entstanden sind. Die angestellten Überlegungen führten zur Initiierung des transdisziplinären Projekts Res Urbanae zum Thema „Städte im Wiederaufbau“. Studierende der drei Universitäten besuchten Brest und Dresden, um die architektonischen und städtebaulichen Herausforderungen zu erkunden, mit denen diese Städte konfrontiert sind. Die ausgestellten Tafeln und Modelle vermitteln eine vergleichende Geschichte von Brest und Dresden über einen längeren Zeitraum, indem sie die Gemeinsamkeiten ihrer Geschichte und ihrer architektonischen und städtischen Entwicklung veranschaulichen.

Die Neugestaltung der Blockinnenbereiche im wiederaufgebauten Stadtzentrum von Brest stellt im weiteren Sinne die Frage nach den Möglichkeiten der Stadterneuerung im Herzen der Metropolregion Brest. Sie zeigen aber auch mögliche Umgestaltungen des ehemaligen Gefängnisses Pontaniou im Brester Stadtteil Recouvrance, die mit dem Carré des Arts (dem Gebäude, in dem die Kunstschule von Brest untergebracht ist) in Verbindung stehen. Diese Arbeiten, die als Sondierung gedacht sind, sind eine Antwort auf die von der Stadt und der Metropole Brest eingeleiteten Dynamiken. Sie zeigen das Entwicklungspotenzial von Brest in seinem kontinuierlichen Wiederaufbauprozess auf. Diese Ausstellung studentischer Arbeiten ergänzt die zeitgleiche Ausstellung „Dresden – Brest: Das Bild der Stadt und seine (Re-)Konstruktion“ im Verkehrsmuseum Dresden.

Res Urbanae – Pohledy na města v rekonstrukci: Brest a Drážďany

Výstava představuje studentské práce realizované v rámci univerzitní výměny mezi Fakultou Architektury Technické Univerzity v Drážďanech (TUD), Institutem Geoarchitektury Západobretonské Univerzity (UBO) v Brestu a Fakultou Architektury Vysokého Učení Technického (VUT) v Brně. Tyto diskuse vedly k zahájení transdisciplinárního projektu Res Urbanae na téma měst v rekonstrukci (www.res-urbanae.eu).

Studenti těchto tří univerzit navštívili Brest a Drážďany, aby posoudili architektonické a urbanistické výzvy, kterým tato města čelí.

Vystavené desky a modely poskytují srovnávací historii Brestu a Drážďan a zdůrazňují společné body jejich architektonického a urbanistického vývoje. Představují také možnou přestavbu bývalé věznice Pontaniou ve čtvrti Recouvrance v Brestu ve spojení s Carré des Arts, kde sídlí Vysoká škola umění. Rekonfigurace vnitřních bloků v přestavěném centru Brestu vyvolává širší otázky o možnostech urbanistické obnovy v srdci metropole.

Tato díla, zamýšlená jako průzkumná, jsou reakcí na dynamiku iniciovanoumetropolí. Odhalují rozvojový potenciál Brestu v procesu probíhající rekonstrukce.

Výstava  těchto studentských prací doplňuje paralelní výstavu “Brest – Drážďany: (re)konstrukce městské imaginace” v drážďanském Muzeu dopravy.

Res Urbanae – Regards sur les villes en reconstruction: Brest et Dresde

Cette exposition présente les travaux d’étudiants menés dans le cadre d’un échange universitaire entre la Faculté d’Architecture de l’Université Technique de Dresde (TUD),l’Institut de Géoarchitecture de l’Université de Bretagne Occidentale (UBO) de Brest et la Faculté d’Architecture de l’Université des Technologies (VUT) de Brno. Les réflexions engagées ont permis d’initier le projet transdisciplinaire Res Urbanae sur le thème des villes en reconstruction (www.res-urbanae.eu).

Les étudiants des trois universités ont visité Brest et Dresde afin de mesurer les défis architecturaux et urbanistiques auxquels ces villes sont confrontées.

Les planches et les maquettes exposées engagent une histoire comparée de Brest et de Dresde sur le temps long, en soulignant les points communs de leur histoire et de leur développement architectural et urbain. Elles présentent également les réaménagements possibles de l’ancienne prison de Pontaniou, dans le quartier de Recouvrance à Brest, en résonance avec le Carré des Arts qui abrite l’école supérieure d’arts. La reconfiguration des cœurs d’îlots dans le centre-ville reconstruit interroge plus largement les capacités de renouvellement urbain du cœur de la métropole brestoise.

Ces travaux, qui se veulent exploratoires, répondent aux dynamiques engagées par la Ville et la Métropole. Ils révèlent le potentiel de développement de Brest dans son processus continu de reconstruction.

Cette exposition de travaux d’étudiants complète l’exposition parallèle “Dresde – Brest : l’image de la ville et sa (re)construction” au Musée des transports de Dresde.

Erträume deine Stadt: Brest und Dresden

Diese Ausstellung, die im Sommer 2023 in Brest zu sehen ist, zeigt die Arbeiten von Schülern des Collège de Penn ar C’hleuz in Brest und des Evangelischen Kreuzgymnasiums in Dresden zum Thema „Die Stadt ihrer Träume”. Mit ihren Gemälden, Zeichnungen, Collagen und digitalen Illustrationen laden uns diese jungen Künstler dazu ein, ihre einzigartige Sicht auf Architektur, Stadtplanung und die städtische Umwelt zu erkunden. Ihre Kreationen spiegeln ihre Träume und Sehnsüchte wider, aber auch ihr Verständnis für die sozialen und ökologischen Herausforderungen, die unsere modernen Städte prägen.

Ausstellung in Brest
Ausstellung in Brest

Louis-Nicolas Van Blarenberghe, Ansicht des Hafens von Brest, 1774, Öl auf Leinwand, Musée des Beaux-Arts de Brest

Louis-Nicolas Van Blarenberghe (1716 – 1794), der aus einer Malerdynastie aus Lille stammte, ist vor allem für seine Schlachtszenen und Darstellungen von Häfen bekannt. Er malte mehrmals den Hafen von Brest, der für die Verteidigung Frankreichs von strategischer Bedeutung war.

Dieses große Gemälde gehört zu den Gemälden des 18. Jahrhunderts, die die Stadt Brest eher andeuten als zeigen, denn die Künstler schienen immer mehr daran interessiert zu sein, die Aktivitäten des Arsenals darzustellen als die Straßen. Wir befinden uns hier am Eingang zur Penfeld, einem Fluss, der einen außergewöhnlichen natürlichen Schutz für die Flotten bietet. Wir beobachten den Schiffbau, der nicht nur von den Sträflingen im Vordergrund ausgeführt wird. Hinter ihnen sehen wir rechts die Silhouette der Burg von Brest und links die geordnete Fassadenreihe der Marinegebäude.

Der Maler schenkt dem Licht große Aufmerksamkeit, indem er einen weiten Himmel mit goldenen Schattierungen malt. Das Treiben auf der Penfeld wird dadurch verherrlicht: Der Hafen von Brest war zu dieser Zeit der Stolz der Stadt und des Königreichs. Die Seefahrt steht im Mittelpunkt der Bildwelt von Brest.

Sonia de Puineuf

Plan von Brest nach dem Entwurf von Vauban, Ende 18. Jh., Stadtarchiv Brest

Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1707) war zweifellos der berühmteste Festungsplaner seiner Zeit, wenn nicht sogar aller Zeiten. Sein Ruhm war international. Als Ingenieur und Militärarchitekt gab er Frankreich den “Eisernen Gürtel” – ein Verteidigungssystem aus Festungen, das bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts und sogar noch darüber hinaus funktionierte.

Als er zum “Kommandanten des Standorts Brest” ernannt wurde, hielt er sich eine Zeitlang in dieser Stadt auf, deren Geomorphologie und Stadtkörper er unbefriedigend fand. Dieser Plan, der von einem Anonymus gezeichnet wurde, passt sich mit einiger Schwierigkeit an Vaubans Vorstellungen von der Organisation der Straßen an, die er gerne in einem regelmäßigen Raster angelegt hätte. Wir sehen, dass dieses Prinzip nicht nur auf dem linken Ufer der Penfeld (“Brest selbst”), sondern auch auf dem linken Ufer (Recouvrance) angewandt wurde. Diese beiden städtischen Einheiten sind durch eine Festungsmauer vereint, die jedoch ein echtes Problem darstellen wird, wenn die Stadt sich vergrößern muss.

Jenseits der Bastionen breitet sich das grüne Land mit seinen Feldern und Wegen aus, die bereits die im 19. Jahrhundert am Rande der historischen Stadt angelegten Straßen vorwegnehmen.

Sonia de Puineuf

Bernardo Bellotto, genannt Canaletto oder Canaletto der Jüngere, Dresden vom rechten Elbufer aus gesehen, unterhalb der Augustusbrücke, 1747, Gemäldegalerie Alter Meister Dresden

Der Italiener Bernardo Bellotto (1721/22 – 1780), ein Neffe des berühmten venezianischen Malers Canaletto, der sich selbst so nannte, malte dieses große Gemälde während seines Aufenthalts in Dresden. Es ist eine der berühmtesten Ansichten der Stadt im 18.. Jahrhundert, als sie wegen ihrer Pracht die Blicke von Künstlern aus ganz Europa auf sich zog.

Der Maler hat ihre schönsten Bauwerke leicht überdimensioniert dargestellt (Augustusbrücke, Frauenkirche, Katholische Hofkirche). Ihre Silhouetten heben sich vor einem großen blauen Himmel ab, während sie sich gleichzeitig in der Elbe spiegeln. Es handelt sich um eine grandiose Darstellung im Stil der Veduten (Stadtansichten) – einer damals sehr beliebten Art der Malerei. Mit seiner sorgfältigen Pinselführung war Bellotto darauf bedacht, die elegante Architektur der Stadt und das Treiben auf dem Fluss genau wiederzugeben. Mit seiner raffinierten Palette schuf er eine helle und beruhigende Atmosphäre.

Dieses Gemälde ist Teil einer großen Serie von Gemälden, die Bellottos Faszination für die sächsische Hauptstadt zeigen. Diese Bilder, die zum Träumen anregen, nähren die Vorstellungswelt von Dresden im Laufe seiner Geschichte, bis sie den Akteuren des Wiederaufbaus des historischen Zentrums der Stadt am Ende des 20.. Jahrhunderts als Referenz dienen.

Sonia de Puineuf

Claude Jean-Baptiste Jallier de Savault, Unrealisiertes Projekt für eine Place Louis XVI, Plan, um 1785, Musée des Beaux-Arts de Brest

Diese Zeichnung zeigt ein Projekt zur Stadtverschönerung, das der Architekt Claude Jean-Baptiste Jallier de Savault (1739-1806) gegen Ende des Zeitalters der Aufklärung entworfen hat. Die spektakuläre Vorrichtung, die er vorschlug, sollte die königliche Statue, die 1784 von den Staaten der Bretagne gestiftet worden war, am Ende der Schlosshalbinsel aufstellen.

Der Titel des Plans verdeutlicht die symbolischen und praktischen Aspekte, die bei seiner Ausarbeitung eine Rolle gespielt haben. Zunächst sollte der König, der nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit Ruhm und Ehre gesegnet war, als Befreier der Meere gefeiert werden: Die Statue sollte “den Hafen, die Reede und die Mündung des Fjords ins offene Meer beherrschen”. Im Geist der damaligen Zeit galt ein solches Denkmal als wahre Verkörperung des Monarchen, und es ist daher verständlich, dass eine solche Position der Statue den heroischen Anschein eines obersten Befehlshabers der Marine im Herzen des größten Arsenals des Königreichs verlieh.

Es ging auch darum, den königlichen Platz mit den “von der Marine geplanten Einrichtungen” koexistieren zu lassen. Diese Lagerhäuser, die am Fuß und oberhalb der Burg eingerichtet wurden, vermischten sich mit dem monumentalen Programm in einem geschickten Spiel der Verflechtung von öffentlichen und militärischen Räumen. Die Risiken dieser einzigartigen Koexistenz veranlassten die Marineverwaltung schließlich dazu, das von der Bevölkerung stark missbilligte Projekt noch vor Ausbruch der Revolution aufzugeben.

Yvon Plouzennec

François de Cuvilliés d. Ä.: Projekt zur Entfestigung von Dresden, 1761, SLUB Dresden Deutsche Fotothek

Die Bombardierung Dresdens im Siebenjährigen Krieg durch König Friedrich II. von Preußen war die schwerste Zerstörung der Stadt vor 1945. Nachdem bereits die Vorstädte im November 1758 und August 1759 vernichtet worden waren, war vom 19. bis 22. Juli 1760 erstmals auch die Festungsstadt selbst angegriffen worden. Vor allem ihre südöstlichen Teile – ungefähr ein Drittel der Bebauung – waren dadurch vollständig zerstört worden.

Um weitere Schäden zu verhindern, war durch König August III. gegen den Widerstand der Militärs die schnellstmögliche Demolierung der Festung – die Abtragung der Wälle und die Zuschüttung des Grabens – befohlen worden. Bereits die ersten Planungen durch Oberlandbaumeister Julius Heinrich Schwarze (1706-1775) waren aber auf eigentumsrechtliche Schwierigkeiten gestoßen, da die zahlreichen auf der Contrescarpe (Außenseite der Festung) gelegenen Privatgrundstücke keine Anlage einer repräsentativen Promenade mit Platzanlagen und Straßendurchbrüchen ermöglichten.

Es war wohl das von Januar 1760 bis Januar 1762 nach München geflohene Kurprinzenpaar Friedrich Christian (1720-1763) und Maria Antonia (1724-1780), das den Kontakt zum bayerischen Hofbaumeister François de Cuvilliés (1695-1768) herstellte. Dieser schuf mit dem vorliegenden Projekt eine der großartigen städtebaulichen Planungen Dresdens im 18. Jahrhundert. Diese ist vor allem von der Anlage einer 45 m breiten Allee an der Außenseite des Festungsgrabens, die von kreisförmigen und quadratischen Platzanlagen unterbrochen wird, die die Eingänge in die Festungsstadt markieren sollten. Als weiteres wichtiges Element sah die Planung aber den Neubau eines monumentalen Residenzschlosses auf dem nordwestlichen Festungsgelände des Zwingers vor. Mit seinem langgestreckten Vorhof und einer großartigen Gartenanlage in Richtung Ostragehege wäre eine weiträumige Anlage entstanden, zu der im Verhältnis die historische Stadt fast nur noch wie ein altertümliches Anhängsel erschienen wäre.

Am Ende wurde die Planung Cuvilliés dann aber sehr rasch verworfen. Bei der schließlich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts vorgenommenen Entfestigung Dresdens griff man auf kleinteiligere Pläne Schwarzes zurück, die sehr viel mehr auf die realen Besitzverhältnisse eingingen.

Stefan Hertzig

Bernardo Bellotto, genannt Canaletto oder Canaletto der Jüngere, Blick auf die zerstörte Kreuzkirche, Kupferstich, 1765, SLUB Dresden Deutsche Fotothek

Die Ansichten von Dresden waren auch durch die Verbreitung von Stichen bekannt – Bilderserien, die man günstig kaufen konnte. Einige Gemälde von Bellotto zum Beispiel wurden auf diese Weise als Drucke reproduziert. Dieser hier lässt uns verstehen, wie sehr die Schaffung von “Elbflorenz” (Dresdens Beiname) unweigerlich von zufälligen und manchmal geplanten Zerstörungen abhängig war, die man zu nutzen versuchte.

Hier stellt der Künstler die Ruinen der Kreuzkirche nach dem Einsturz ihres Turms dar. Die historische Kirche wurde während des Siebenjährigen Krieges stark beschädigt und wurde gerade in einem anderen, dem Zeitgeschmack entsprechenden Stil wiederaufgebaut, als der Turm plötzlich auf spektakuläre Weise zusammenbrach.

Die Kirche, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen, wurde im Laufe der Jahrhunderte zwangsläufig mehrfach zerstört und wiederaufgebaut.

Sonia de Puineuf

Gussy Hippold-Ahnert, Badeanstalt zum Blauen Wunder, 1935, Hygiene-Museum Dresden

Gussy Erika Hippold-Ahnert (1910-2003) stellt in diesem kleinen Aquarell aus den 1930er Jahren die Loschwitzer Brücke dar, die 1893 eingeweiht wurde und den Beinamen “Das blaue Wunder” erhielt. Ihre Eisenkonstruktion, die ohne Pfeiler im Fluss auskommt, galt als technische Meisterleistung und wurde als solche von vielen bewundert. Die Brücke wurde schnell zu einem der Wahrzeichen der modernen Stadt Dresden.

Am Fuß der Brücke zeigt der Künstler ein Badehaus, das man über einen kleinen Steg erreichte. Die Stadt Dresden war dafür bekannt, dass sie Fragen der öffentlichen Gesundheit einen hohen Stellenwert einräumte. Außerdem verband die Loschwitzer Brücke die Stadt mit dem Stadtteil Loschwitz, wo um die Jahrhundertwende zahlreiche Sanatorien errichtet wurden. Persönlichkeiten aus Kunst und Politik hielten sich hier auf und trugen dazu bei, ein neues Image von Dresden zu prägen: das der Hauptstadt der Hygiene.

Sonia de Puineuf

Hans Scharoun, Entwurf zum Wettbewerb von 1920 für das Deutsche Hygiene-Museum, im Hintergrund der Zwinger, Archiv der Akademie der Künste Berlin

Hans Scharoun (1893-1972), einer der großen deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts, nahm als junger Mann an dem in Dresden ausgeschriebenen Wettbewerb für den Bau des Deutschen Hygiene-Museums teil. Dieses Aquarell im expressionistischen Stil zeigt eine Anlage mit einem ausgedehnten Grundriss, die eine erstaunliche kristalline Form enthält, mit Blick auf das Gebäude des Zwingers. Im Hintergrund sind die Silhouetten der Türme und Kuppeln der Altstadt zu sehen.

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Dresden die Einrichtung eines Hygienemuseums erwogen. Dieses Projekt wurde insbesondere von Karl August Lingner vorangetrieben, einem Chemie-Industriellen, der das Mundwasser Odol entwickelt hatte. Sein kommerzieller Erfolg ermöglichte es ihm, die internationalen Hygieneausstellungen in Dresden zu organisieren, die ein breites Publikum anzogen.

Aufgrund der Wechselfälle der Geschichte wurde das Museum erst 1930 eröffnet. Es ist von monumentaler Größe und wurde nicht an der Stelle gebaut, die Hans Scharoun in seinem Entwurf dafür vorgesehen hatte, sondern auf der anderen Seite der Altstadt, gegenüber dem Großen Garten. Seine Strenge und Wucht lässt bereits ahnen, warum Wilhelm Kreis, sein Architekt, nach 1933 zu Hitlers bevorzugten Architekten gehörte.

Sonia de Puineuf

Walter Hahn, Dresden-Striesen. Stadtteilansicht mit Waldersee-Platz (Stresemannplatz). Luftbild-Schrägaufnahme von Osten, 1924, SLUB Dresden Deutsche Fotothek

Walter Hahn (1898-1969) fotografierte aus der Luft den Stadtteil Striesen, der sich Ende des 19. Jahrhunderts im Osten der Stadt als grüner Wohnvorort entwickelte. Ein florierender Gartenbau ermöglichte den Aufschwung dieser historischen Siedlung, die maßgeblich an der wirtschaftlichen Entwicklung Dresdens beteiligt war.

Ab 1860 wurde Striesen nach einem Bebauungsplan mit schachbrettartig angelegten Parzellen errichtet. Elegante Villen und von Gärten umgebene Mietshäuser entsprachen den von der Hygienebewegung formulierten Bedürfnissen.

Striesen erlebte Anfang des 20. Jahrhunderts einen großen industriellen Aufschwung (u. a. Herstellung von Kameras und Zigaretten), der jedoch seinen Charakter als grüne Stadt nicht zerstört hat. Diese Fotografie aus dem Jahr 1924 zeigt die malerischen Gebäude, die regelmäßig im Grünen angeordnet sind: eine angenehme Lebensumgebung für die Bewohner nach dem Vorbild der Gartenstädte.

Sonia de Puineuf

Karte des Viertels Saint-Martin: Plan de l’Annexion (1877), von der Route du Moulin à poudre zum Valy-Glas, zur Rue Kerfautras, zur Rue de Paris und zum Place de la Liberté, 1877, Stadtarchiv Brest

Das Viertel Saint-Martin (zunächst Annexion genannt) entstand aus dem Wunsch der Stadtverwaltung, einen Vorort mit allen notwendigen Einrichtungen zu schaffen. Diese städtebauliche Maßnahme war eine Antwort auf das Bevölkerungswachstum, das die Innenstadt nicht angemessen aufnehmen konnte.

Das von der Stadt Brest erworbene Land wurde der Nachbargemeinde (Lambézellec) entzogen – daher der Name “Annexion”. Die Felder mit einigen Bauernhöfen wurden in ein Viertel umgewandelt, wie es für das Ende des 19. Jahrhunderts charakteristisch war.

Dieser Bebauungsplan zeigt die Blöcke, die in einem regelmäßigen Straßenraster organisiert sind, ausgehend von der dem Heiligen Martin geweihten Kirche. Hier wurden die Markthallen (hinter der Kirche), eine Schule und ein öffentliches Waschhaus errichtet. Diese Gebäude verkörperten die Sorge um den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt, der ein wichtiges Anliegen der Dritte Republik war: Handel, Bildung und Hygiene.

Das Viertel, das während des Krieges kaum beschädigt wurde, weist noch heute intakte Gebäude aus dieser Zeit auf. Hinzu kommen neuere Erschließungsmaßnahmen, die auf Grundstücken durchgeführt wurden, die früher religiösen Kongregationen gehörten.

Sonia de Puineuf

Joseph-Victor Tritschler, Unrealisiertes Projekt der Brücke in Brest (Penfeld), 1843, Stadtarchiv Brest

Der Fluss Penfeld, die historische Wiege von Brest, ist eng mit dem Schicksal der Stadt verbunden. An seinen beiden Ufern entwickelten sich Handels- und Militärhäfen, aber lange Zeit gab es keine andere Möglichkeit, die Ufer zu verbinden, als eine Fähre, die unregelmäßig verkehrte und obendrein gefährlich war.

Erst 1861, während des zweiten französischen Kaiserreichs, wurde die Kaiserbrücke nach fast 30 Jahren der Verzögerungen und Polemiken zwischen den lokalen und nationalen Behörden endlich eingeweiht. Zuvor hatte es mehrere spontane Vorschläge gegeben, darunter den von Joseph-Victor Tritschler (1815-1879).

Im Jahr 1843 schlug der künstlerisch begabte Unternehmer und Stadtrat den Entwurf einer Hängebrücke mit einem großen Bogen vor. Die Brücke hätte eine bewegliche Fahrbahn gehabt und sich in der Mitte geöffnet, damit die Marineschiffe mit den höchsten Masten passieren konnten. Der monumentale Bogen hätte sich 55 Meter über den höchsten Gezeitenstand erhoben und die 400 Stufen hätten den Fußgängerverkehr während der Durchfahrt der Schiffe aufrechterhalten.

Obwohl 1852 vom Stadtrat der Stadt Brest ausgewählt, wurde Tritschlers spektakulärer Entwurf schließlich zugunsten der Drehbrücke verworfen, die von dem Architekten Nicolas Cadiat und dem Ingenieur Alphonse Oudry vorgestellt wurde.

Christine Berthou-Ballot

Brest, Ozeanhafen, Plan vermarktet 1919, Privatsammlung.

Von der Entwicklung des Seehandels zwischen Amerika und dem alten Kontinent profitierte eine Reihe von Städten an der Atlantikküste. Le Havre zum Beispiel wurde zu dem Hafen, der Frankreich mit New York verband. Brest träumte davon, seinerseits ein großer transatlantischer Hafen zu sein, der Tausende von Passagieren von und nach den USA abgefertigt hätte.

Zwischen 1883 und 1919 wandte die Handelskammer viel Energie auf, um die französische Regierung davon zu überzeugen, Brest das Privileg für den Betrieb einer Schifffahrtslinie zu gewähren, die es der Stadt ermöglicht hätte, in Bezug auf das Verkehrsaufkommen mit Panama und Colon zu konkurrieren. Dies hätte der Stadt die Möglichkeit gegeben, ihre Aktivitäten, die sich bis dahin auf die Kriegsmarine konzentrierten, zu diversifizieren, ihre Straßen- und Eisenbahnanbindung zu verbessern und schließlich in den maritimen Wirtschaftssektor zu expandieren.

In diesem Zusammenhang entstand der Plan von Brest, Ozeanhafen, auf dem man eine konsequente Ausdehnung der Stadt auf das Meer mit speziell auf den transatlantischen Verkehr ausgerichteten Einrichtungen erahnen kann. Auch wenn dieses Projekt nie verwirklicht wurde, wurde es in verschiedenen Publikationen für den Tourismus als beschlossene Sache dargestellt. Dieser Versuch, das Schicksal zu erzwingen, zeugte von einem Traum, der nach dem Ersten Weltkrieg, in dessen Verlauf der Hafen von Brest die Schiffe mit den Truppen der amerikanischen Armee aufgenommen hatte, in Erfüllung zu gehen schien.

Sonia de Puineuf

Georges Milineau, Plan d’aménagement, d’embellissement et d’extension de la ville de Brest (Plan zur Gestaltung, Verschönerung und Erweiterung der Stadt Brest), 1920, Stadtarchiv Brest

Dieser Plan wurde von Georges Milineau, dem Architekten der Stadt Brest, nach dem Ersten Weltkrieg ausgearbeitet, als die von Vauban im 17. Jahrhundert errichteten Festungsmauern für militärisch bedeutungslos erklärt wurden. Da sie offiziell ihre Verteidigungsfunktion verloren hatten, konnte man theoretisch ihre Zerstörung in Betracht ziehen, um der Stadt die Möglichkeit zu geben, sich zu vergrößern.

Milineau stellte sich vor, sie durch “einen ersten inneren Rundweg mit polygonaler Form” zu ersetzen – eine Art grüner Weg um die historische Stadt herum. Dieser Plan scheiterte jedoch am Widerstand der Marine. Diese verlangte einen exorbitanten Preis für die Abtretung der Festungsmauern, der zu dem Preis für ihren Abriss hinzugekommen wäre. Das Projekt hätte jedoch die Möglichkeit geboten, die Altstadt mit den neueren Außenbezirken zu verbinden.

Milineau hatte auch geplant, die Rue de Siam zu verbreitern, unhygienische Baublöcke abzureißen, um Platz für Plätze zu schaffen, und Fußgängerzugänge zum Meer zu schaffen (ein Gebiet, das nach wie vor streng von der Armee bewacht wird). Dieser ehrgeizige Plan einer hygienischen Stadt, die für den Autoverkehr geöffnet, rational zoniert und architektonisch harmonisiert werden sollte, konnte seinerzeit nicht verwirklicht werden. Erst nach den gewaltsamen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde dieses Projekt wieder aktuell.

Sonia de Puineuf

Frontispiz des Buches Brest von Pierre Mac Orlan, 1926, Paris, éd. Emile-Paul frères, Privatsammlung

Pierre Mac Orlan (1882-1970), ein Schriftsteller, der in der Pariser Bohème verkehrte, widmete der Stadt Brest eine Erzählung, die in Paris in der Sammlung “Portrait de la France” veröffentlicht wurde.

Der Dichter, der für den malerischen Charme der Arbeiterviertel und Häfen empfänglich war, hielt sich mehrmals in der Bretagne auf. In seinem Buch erzählt er von seinen Streifzügen und Begegnungen in der Stadt Brest, zu der er eine zwiespältige Beziehung hat. Mal behauptet er, sie aufgrund der dort geschlossenen Freundschaften “mehr als jede andere Stadt in Frankreich” zu lieben, mal urteilt er eher streng über ihre Architektur und Stadtplanung, die keine nennenswerten Qualitäten aufweist.

Es ist Mitte der 1920er Jahre, und Brest schwankt zwischen einer fortbestehenden Vergangenheit und der Moderne, die sich ihren Weg bahnt. Das Geräusch von Holzschuhen auf dem Kopfsteinpflaster der Rue de Siam vermischt sich mit Jazzmusik. Für Mac Orlan ist der Fortschritt unausweichlich, auch wenn “Brest eine Stadt ist, die der Vergangenheit angehört und die diese Vergangenheit jeden Tag zurückgewinnt”. Er prophezeit, dass man eines Tages “alle Sprachen in einem Hafen aus Kristall, Stahl und Messing mit Seide ummantelt sprechen wird”. In der Zwischenzeit scheint ihm die Stadt, “deren Gestalt der Fantasie so viele wirtschaftliche und literarische Hypothesen erlaubt”, “in einem vorläufigen Schlaf zu schlummern” …

Sonia de Puineuf

Bau der Albert-Louppe-Brücke, aus der Broschüre Le pont Albert Louppe, Finistère, herausgegeben von der Société anonyme des entreprises Limousin im Jahr 1930, Privatsammlung

Dieses Foto zeigt den Bau der Albert-Louppe-Brücke über den Fluss Elorn in der Reede von Brest. Es handelt sich um ein lang ersehntes Bauvorhaben. Bis die Brücke in Betrieb genommen wurde, mussten die Menschen, um den Fluss zu überqueren, die Fähre in Le Passage benutzen. Dort wurden Menschen, Waren und sogar Vieh übergesetzt. Mit der Ankunft der Autos wurde die Fähre überflüssig und die vom Ingenieur Eugène Freyssinet (1879-1962) erbaute Brücke wurde 1930 mit großem Pomp vom Präsidenten der Republik eingeweiht.

Dieses Bauwerk ist sowohl in technischer als auch in ästhetischer Hinsicht bemerkenswert. Die Brücke besteht aus drei Feldern mit einer Spannweite von jeweils 173 m, was zum Zeitpunkt des Baus einen Weltrekord darstellte. Die monumentalen Schalungen für die Bögen wurden an Land hergestellt, über Uferböschungen herangeführt und auf den in den Fluss gerammten Pfeilern installiert. Die Brücke wurde mit zwei Fahrbahnen konzipiert: die obere für Autos, die untere für die Eisenbahn (es wurden aber letztlich nie Schienen verlegt).

Die Brücke wurde während des Krieges schwer beschädigt, aber der zerstörte Bogen wurde schnell wiederaufgebaut, vielleicht zu schnell: Es ist derjenige der drei, der heute starke Schäden aufweist. Die Fahrbahn der Brücke wurde in den 1960er Jahren verbreitert, aber der zunehmende Autoverkehr machte sie dennoch veraltet. Anfang der 1990er Jahre wurde daher eine zweite Brücke direkt daneben gebaut Seitdem dient die Albert-Louppe-Brücke Spaziergängern, Radfahrern und Schlittschuhläufern.

Die Zukunft dieser Brücke, die als “Kulturerbe des 20. Jahrhunderts” eingestuft ist, scheint derzeit ungewiss zu sein. Die Kosten für den Abriss dieses außergewöhnlichen architektonischen Erbes wären jedoch genauso hoch wie die Kosten für seine Renovierung.

Sonia de Puineuf

Walter Hahn, Südvorstadt mit Landgericht, Blick nach Nordosten, 1932, SLUB Dresden Deutsche Fotothek

Diese Fotografie von Walter Hahn zeigt ein Erweiterungsgebiet von Dresden, das in den 1920er Jahren gebaut wurde. Die gemäßigt modernen Gebäude haben noch keine Flachdächer, aber bereits schlichte Fassaden. Ihre Balkone sind den gemeinschaftlichen Grünflächen zugewandt, die mit einigen jungen Bäumen geschmückt sind. Diese Blöcke von Geschosswohnungsbau sind in einem architektonischen Ensemble organisiert, das mit der archetypischen Korridorstraße bricht und der Luft- und Lichtzirkulation Vorrang einräumt. Sie sind typisch für den Städtebau der Zwischenkriegszeit in Europa.

Hinter diesen Gebäuden befinden sich die Gerichtsgebäude mit dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Untersuchungsgefängnis. Neben ihnen befindet sich eine moderne Einrichtung: der Sportplatz der Technischen Hochschule.

Im Vordergrund ist noch unberührtes Land zu sehen, das auf zukünftige Bebauung wartet.

Sonia de Puineuf

Hans Richter, Hochhaus am Pirnaischen Platz, Ansicht von Osten, Entwurf, 1930, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

Der Architekt Hans Richter (1882-1971), der sich 1919 in Dresden niederließ, hat dazu beigetragen, der wirtschaftlich aufstrebenden Stadt die architektonische Moderne zu bringen. Er ist insbesondere für den Bau der Großsiedlung Trachau bekannt.

Diese Zeichnung zeigt seinen unverwirklichten Entwurf für den Pirnaischen Platz, der sich in der Nähe des historischen Stadtzentrums befindet. Im Hintergrund des Bildes ist der Turm des Residenzschlosses zu sehen. Richters Vorschlag für die Gestaltung des Platzes ignoriert den malerischen Aspekt des Ortes: Dem eklektischen Gebäude, dessen Fassade rechts zu sehen ist, stellt er ein Gebäude von radikaler Modernität gegenüber. Seine transparente Glasfassade wird von Stützen getragen.

Diese Art von Projekten stellt auch die Entwicklung der Stadt im Zeitalter der erhöhten Mobilität in Frage. Die Größe des öffentlichen Raums wird nun in Abhängigkeit vom Auto- und Straßenbahnverkehr gedacht, der es erfordert, die engen Gassen der Vergangenheit zugunsten breiter Alleen aufzugeben. Der Pirnaische Platz ist heute eine wichtige Kreuzung und ein Gelenkpunkt zwischen der wiederaufgebauten Stadt und ihrer unmittelbaren Nachbarschaft.

Sonia de Puineuf

Peter Birkenholz, Zeichnung Kugelhausstadt, 1927, Architekturmuseum der TU München

Diese erstaunliche Zeichnung von Peter Birkenholz (1876-1961) ist ein Vorgeschmack auf seinen Entwurf für das Kugelhaus, den er 1928 für die Ausstellung Technische Stadt in Dresden baute. Das Gebäude war ein Beispiel für konstruktive Meisterleistung und ästhetische Kühnheit; es beherbergte verschiedene Ausstellungen und ein Café, bis es 1938 von den Nazis abgerissen wurde, die es als Beispiel für “entartete Technik” betrachteten.

Der Bauingenieur Birkenholz stellte sich vor, ganze Städte aus Kugelhäusern zu bauen, wie diese Zeichnung zeigt. Birkenholz’ Vorhaben erklärt sich aus der Begeisterung für den technologischen Fortschritt, die von den Architekten der Moderne geteilt wurde. Ihr Ziel war es, das Bauen zu rationalisieren, um Zeit und Geld zu sparen und so die Bedürfnisse der Massen gerecht zu werden. Die Verwendung moderner Baumaterialien, standardisierter Module und serienmäßig hergestellter Elemente waren ihre bevorzugten Verfahren.

Sonia de Puineuf

Wilhelm Rudolph, Zöllner Straße, undatiert (nach 1945), Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Wilhelm Rudolf (1889-1982) – Zeichner, Grafiker und Maler – war Zeuge der Zerstörung Dresdens, der Stadt, in der er studiert und den größten Teil seines Lebens verbracht hatte.

Diese Bilder gehören zu einer Reihe von Zeichnungen und Drucken, die eine zerstörte Stadtlandschaft zeigen, die zum Teil von Schnee bedeckt ist. Das Gefühl der Trostlosigkeit wird durch den besonderen Stil verstärkt, den der Künstler anwendet, indem er kleine, schnelle Schraffuren nebeneinander setzt, ohne zwischen den dargestellten Motiven zu unterscheiden. So scheint der sonnenlose Himmel mit den Trümmern und den wenigen zerbrechlichen Figuren, die sich in diese vernichtete Stadt wagen, zu verschmelzen.

Dieser Zyklus ist der Höhepunkt in Rudolfs Werk, in dem er zwanghaft den Schrecken der Zerstörung darstellt. In seinen Erinnerungen beschreibt er die alptraumhafte Stimmung, die damals vor Ort herrschte, folgendermaßen: “Das heraufdämmernde Licht des 14. Februar 1945 erhellte nur noch eine glühende, qualmende Brandstätte an der Elbe, da, wo am Vortag Dresden gewesen war. “Viele andere Künstler nahmen die zerstörte Stadt zum Thema, zumal Dresden sehr lange brauchte, um sich wiederaufzubauen. Die Ruinen standen dort jahrzehntelang wie die Geister einer verschwundenen glorreichen Vergangenheit.

Sonia de Puineuf

Jacques Prévert, Barbara, Auszug aus dem Gedicht, 1946

Der Dichter Jacques Prévert (1900-1977) besuchte Brest in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mehrmals. Die Stadt am Ozean war für ihn ein Ort fröhlicher Begegnungen mit befreundeten Künstlern, Schriftstellern und anderen Intellektuellen. Als er nach dem Krieg nach Brest zurückkehrte, fand er ein Feld voller Ruinen vor. Unter dem Schock dieser Erfahrung schrieb er eines seiner berühmtesten Gedichte: Barbara.

Das Gedicht ist durch die sich wiederholende Formel “Rappelle-toi Barbara” („Erinnere dich, Barbara“) strukturiert und erzählt vom Brest der Vorkriegszeit, wo der Dichter im Regen eine unbekannte, bezaubernde und verliebte junge Frau beobachtet hatte. In der Rue de Siam wird sie von einem Mann angesprochen. Doch nach und nach wird diese Erinnerung an das einfache und flüchtige Glück durch die unerbittliche Realität der tragischen Geschichte ersetzt: “Der glückliche Regen” weicht dem “Sturm aus Eisen, aus Stahl, aus Blut” (Bombenangriffe). Das Ergebnis ist eine unter den Bomben zerstörte Stadt, eine Stadt, “von der nichts mehr übrig ist”.

Barbara wurde von Joseph Kosma vertont und von Yves Montand gesungen. Jacques Prévert selbst rezitierte mehrmals sein Gedicht, das heute stark mit der Vorstellungswelt von Brest verbunden ist. Die Rue de Siam wurde zu einem wichtigen topografischen Bezugspunkt, einer städtischen Verkehrsader, die, während des Wiederaufbaus umgestaltet, die bewegte Geschichte von Brest im 20. Jahrhundert zusammenfasst. Barbara war im Übrigen der Deckname der Widerstandskämpferin Annie Noël, einer Brester Freundin von Jacques Prévert.

Sonia de Puineuf

Horst Naumann, Plakat für die Ausstellung “Das neue Dresden”, 1946, Stadtmuseum Dresden

1946 fand in Dresden eine große Ausstellung zum Thema “Das neue Dresden” statt. Nicht nur renommierte Architekten und Stadtplaner, sondern auch einfache Bürger, die dem Aufruf des Komitees für den Wiederaufbau der Stadt Dresden gefolgt waren, stellten ihre Entwürfe für den Wiederaufbau der Stadt vor.

Dieses Plakat wurde speziell für die Ankündigung der Ausstellung entworfen. Sein Autor Horst Naumann (1908-1990) stellt darin gekonnt die Idee eines urbanen Traums dar, der zwischen Tradition und Moderne schwankt.

Der Vordergrund des Bildes wird von der monumentalen Figur eines Putto eingenommen, der das Wappen der Stadt Dresden hält. Im Gegenlicht betrachtet, symbolisiert dieses Kind die alte Stadt, die im Krieg untergegangen ist. Hinter seiner dunklen Silhouette tauchen blasse architektonische Formen auf, die in Lichtstrahlen getaucht sind, wie ein Versprechen der Erneuerung. Ihr Stil ist heterogen: Man kann klassische Volumina (eine Kuppel), aber auch modernere (glatte Fassaden) oder sogar völlig futuristische (Wolkenkratzer im Hintergrund) erahnen.

Der Ideenwettbewerb für das neue Dresden war ein geschickter politischer Akt und bot vor allem eine Gelegenheit, die Widerstandsfähigkeit der Dresdner zu bestätigen. Die Öffentlichkeit konnte sowohl sehr ernsthafte Denkansätze als auch einige phantasievolle Utopien entdecken. Doch weder die einen noch die anderen wurden damals zum Wiederaufbau des zerbombten Stadtzentrums genutzt.

Sonia de Puineuf

Walter Möbius, Dresden, Altmarkt. Blick vom ehemaligen Modehaus Möbius auf die Baustelleneinrichtungen und die Wohn- und Geschäftshäuser (1953-1956; Arch. H. Schneider und K. Röthig), die Heilig-Kreuz-Kirche und den Rathausturm, 1953-1956, SLUB Dresden Deutsche Fotothek

Walter Möbius (1900-1959) war der erste Hausfotograf des Fotoarchivs der Universitätsbibliothek in Dresden (heute Deutsche Fotothek). Diese Fotografie von Möbius zeigt einen Blick aus der Vogelperspektive auf den Altmarkt, der damals gerade umgebaut wurde.

Man erkennt leicht die einzelnen historischen Gebäude – die Kreuzkirche und den Rathausturm -, einige Ruinen alter Gebäude, aber vor allem die neuen Gebäude, die den Platz strukturieren sollten. Ihre imposante Größe und ihre ausgeklügelten Fassaden zeugen von dem Wunsch, den Bewohnern der Stadt Wohnraum zu bieten, der die Illusion erweckt, mit den herrschaftlichen Häusern der Vergangenheit konkurrieren zu können. Es handelt sich hierbei um die späte Anwendung der Doktrin des sozialistischen Realismus und der “nationalen Traditionen” (die in der UdSSR formuliert wurde) im Bereich der Architektur. Diese “Paläste der Werktätigen” sollten die sozialen Fortschritte der kommunistischen Gesellschaft symbolisieren. Der Altmarkt war zum Nervenzentrum der Stadt geworden. Im Norden wurde er nun von einer breiten Straße gesäumt, die für offizielle Veranstaltungen und Militärparaden des neuen politischen Regimes gedacht war.

Der hohe Punkt, den Möbius für seine Aufnahme gewählt hat, ermöglicht es, auch die provisorischen Baracken im Vordergrund zu sehen, die in einem Quadrat angeordnet sind. Es handelt sich um eine temporäre Architektur, die es ermöglichte, die Arbeiter und Arbeiterinnen direkt auf der Baustelle unter angemessenen Bedingungen unterzubringen.

Sonia de Puineuf

Walter Möbius, Ruinen der Frauenkirche mit weidenden Schafen, 1957, SLUB Dresden Deutsche Fotothek

Die schweren Bombenangriffe in der Nacht des 13. Februar 1945 machten dem Gebäude den Garaus, das einst der größte Stolz Dresdens war: der Frauenkirche. Der Neumarkt, auf dem sie stand, wurde beräumt, aber die Dresdner waren nicht damit einverstanden, dass die Ruinen, die an die Lage des religiösen Monuments im Herzen der historischen Stadt erinnerten, abgerissen wurden. Die Ruinen wurden zur einzigen Orientierungshilfe in diesem Niemandsland.

Dieses Foto aus dem Jahr 1957 zeigt ein seltsames Stadtzentrum: Ein Steinhaufen umgibt die Überreste einer Mauer der Frauenkirche auf einer grünen Wiese, die als Schafweide dient. Diese Wiese war eine Wartelösung in einer Zeit heftiger Diskussionen. Eine Lösung, die jedoch einige Jahrzehnte lang, bis in die 1990er Jahre, Bestand hatte. In der Zwischenzeit spielte sich das Leben der Bewohner eher am Rande des historischen Stadtzentrums ab.

Damals wurde Dresden zu einem seltsamen Reiseziel mit kaum verborgenen politischen Absichten: Man kam, um die Gemälde- und Porzellansammlungen zu betrachten und gleichzeitig die Schäden des Krieges zu messen. Die Zerstörung von “Elbflorenz” durch die Alliierten wurde vom kommunistischen Regime geschickt für Propagandazwecke gegen den Westen ausgenutzt.

Sonia de Puineuf

Oswald Enterlein, Entwurf für ein Kulturhaus am Altmarkt, 1954, Stadtmuseum Dresden

Aus Unzufriedenheit über die sich seit Jahren hinschleppenden Neubauplanungen für das zerstörte Stadtzentrum und “als fanatischer Dresdner” fertigte der Grafiker und Maler Oswald Enterlein (1884-1963) um 1954 eigene Entwürfe für die Innenstadt an, insbesondere für den Altmarkt.


Durch intensive Zeitungslektüre kannte Enterlein die Entwürfe des Chefarchitekten der Stadt, Herbert Schneider, die ganz im Sinne der von der Sowjetunion übernommenen “16 Grundsätze für den Städtebau” für das Stadtzentrum ein monumentales Gebäude, nämlich ein Hochhaus im sozialistischen Klassizismus, vorsahen.

Enterlein entwarf für die Südseite des Platzes ein diesen Richtlinien folgendes repräsentatives Hochhaus. Das reich verzierte, fünfstufige Turmhaus mit einer stattlichen Höhe von 135 Metern sollte über eine breit ausladende Treppenanlage betreten werden. Den Sockel für den Hauptbaukörper bildete eine Art vergrößerter Nachbau des Dresdner Zwingers. Nach mehreren Baurücksprüngen mit skulpturengeschmückten Dachterrassen erhielt das Hochhaus seinen krönenden Abschluss spektakulär in Form einer Wendeltreppe mit mächtigem Globus aus Opalglas und Laterne. Der Bau sollte Wohnungen, ein Café und Restaurant sowie ein Hotel enthalten, wobei die Ausführung in rotem Meißner Granit sowie Elbsandstein für die Gliederungselemente erfolgte. Ergänzt werden sollte der Bau durch weitere reich ausgestattete Bauten, unter anderem “Beamtentürme” auf der Nordseite des Platzes.


Enterlein legte seine Pläne dem Rat der Stadt Dresden vor und sandte sie 1958 auch an Hermann Henselmann, den damaligen Chefarchitekten beim Magistrat von Groß-Berlin. Doch all seine Bemühungen blieben erfolglos.

Claudia Quiring

Baracken von Kerédern, ca. 1950, Stadtarchiv Brest

Der Wiederaufbau des Stadtzentrums von Brest begann schnell nach dem Krieg. Die Bewohner wurden in provisorischen Siedlungen untergebracht, die vollständig aus Baracken bestanden. Diese kleinen Holzhäuser, die eine lebensrettende Notlösung darstellten, wurden zum Teil von den Amerikanern als Bausatz geliefert.

Dieses Foto aus dem Stadtarchiv zeigt die Siedlung Kerédern, die wie eine kleine Stadt mitten auf dem Land aus dem Boden wuchs. Die in regelmäßigen Reihen angeordneten Baracken waren mit Annehmlichkeiten ausgestattet, zu denen die Bewohner von Brest vor dem Krieg größtenteils keinen Zugang hatten. Jedes Haus trug eine Nummer, die zur Adresse des Bewohners wurde, der dort für eine bescheidene Miete untergebracht war. Die Straßen hatten keine Namen. Die Baracken sahen alle gleich aus, nur ihre Größe war unterschiedlich.

Trotz dieser scheinbaren Kargheit wurde das Leben in den Baracken mit Enthusiasmus und Solidarität organisiert. Eine Art soziale Utopie, die so nicht geplant war, nahm dort für einige Jahre Gestalt an. Sie ließ an die Möglichkeit eines kollektiven Glücks glauben, das durch Kinder, die gemeinsam auf der Straße spielten, und Nachbarn, die Mahlzeiten teilten, veranschaulicht wurde.

Nach und nach hingen die Barackenbewohner an ihren selbstgebauten Häusern, die sie nach ihren Wünschen gestaltet hatten und die sie nicht mehr verlassen wollten. Für einige von ihnen war der Umzug in die neu gebauten Mietshäusersehr unangenehm.

Sonia de Puineuf

Quéliverzan-Türme im Bau, Brest, 1954, Stadtarchiv Brest

Diese Fotografie zeigt die Wohnblöcke im Stadtteil Quéliverzan. Diese Hochhäuser gehören zu den so genannten “Betonblumen”, die es erlaubten, die Bevölkerung von Brest, die vorübergehend in den Baracken untergebracht war, umzusiedeln. Es handelte sich um eine von sechs “Experimentalbaustellen”, die in Frankreich eingerichtet wurden, um neue städtebauliche und bauliche Praktiken zu testen.

Ihre Architekten, Raymond Lopez und Raymond Gravereaux, waren kurz vor dem Krieg durch den Bau des Morvan-Krankenhauses bekannt geworden, einem schönen Beispiel für die Architektur des modernistischen Klassizismus in Brest. Sie schlugen hier Gebäude vor, deren Modernität radikaler war: V-förmige Stützen tragen die Türme mit quadratischem Grundriss und vorgefertigten Fassaden mit standardisierten Öffnungen (Fenster und Loggien). Bei einer Sanierung in den 1980er Jahren wurden sie mit grauen und blauen Fliesen verkleidet.

Diese 12-stöckigen Gebäude waren die ersten “Wolkenkratzer” in Brest.  Sie symbolisieren die Kühnheit des Wiederaufbaus jenseits der Festungsmauern, wo die weniger ambitionierte “weiße Stadt” entstand.

Sonia de Puineuf

Jean-Baptiste Mathon, Plan de reconstruction et d’aménagement de Brest, 1948, Archives municipales de Brest (Stadtarchiv Brest)

Jean-Baptiste Mathon (1893-1971) war der Architekt, der mit der Wiederaufbauplanung von Brest betraut wurde. Er war1923 mit dem Grand Prix de Rome ausgezeichnet worden und war ein Anhänger einer gemäßigten Moderne, die die Anforderungen der sich technologisch verändernden Welt mit den von der Tradition inspirierten städtischen Kompositionen in Einklang brachte.

Sein Plan zum Wiederaufbau und zur Gestaltung von Brest vollendete den Traum von einer geordneten Stadt, den der Festungsingenieur Vauban im 17. Jahrhundert zu Papier gebracht hatte und den der Architekt Milineau in der Zwischenkriegszeit fortzusetzen versucht hatte. Die Rue de Siam, die für den Autoverkehr verbreitert worden war, wurde zur Hauptachse der neuen Stadt, die auf dem Schutt der zerbombten Stadt errichtet worden war. Auf der neuen, abgeflachten Topographie wurden die Blöcke in einem regelmäßigen Raster angeordnet. Die Place de la Liberté eröffnete eine grandiose Perspektive auf das “Versailles de mer”, das Mathons Brest war. In dem Maße jedoch, wie die Stadt an Höhe gewann, verlor sie jede Verbindung zu den Ufern der Penfeld, wo sich das Arsenal unabhängig von der Stadt entwickelte.

Mathon legte die Regeln für den Wiederaufbau des Stadtzentrums fest, um ein einheitliches Gesamtbild zu schaffen (das jedoch durch die Freiheit der entschädigten Eigentümer bei der Wahl ihrer Architekten eingeschränkt wurde). Er schrieb eine besondere Behandlung (aus Naturstein) der geordneten Fassaden rund um die Place de la Liberté vor. Brest wurde also mit einer relativen Freiheit wiederaufgebaut, die durch eine städtebauliche Homogenität gewährleistet werden sollte.

Sonia de Puineuf

Dieter Bankert, Wettbewerbsentwurf für die Prager Straße in Dresden, 1962, in Deutsche Architektur, 3-1963

1962 wurde in Dresden ein Wettbewerb für die Gestaltung der Prager Straße ausgeschrieben: Er markierte eine modernistische Wende in der Architektur und Stadtplanung der Stadt. Der Wiederaufbau sollte unter neuen Vorzeichen fortgesetzt werden. Man wandte sich vom pompösen sozialistischen Realismus und den “nationalen Traditionen” des Altmarkts ab und machte die Prager Straße zu einem beispielhaften Baustein der modernen sozialistischen Stadt.

Die Prager Straße, die bei den Bombenangriffen in Schutt und Asche gelegt wurde, war einst eine wichtige belebte Straße in Dresden mit Geschäften und bürgerlichen Wohnhäusern. Sie verband das historische Zentrum mit dem Hauptbahnhof, über den auch in den 1960er Jahren immer noch viele Besucher in Dresden ankamen. Die Idee war also, sie bei ihrer Ankunft in einer neuen Atmosphäre zu empfangen: in der Atmosphäre einer glücklichen, geräumigen und hellen Stadt, wie dieses für den Geist des Wettbewerbs typische Bild zeigt.

Im Rahmen des Wettbewerbs wurden die Umrisse eines Wiederaufbaus (oder eher einer Neugestaltung, da sie auf einem leeren Grundstück entstand) festgelegt, der seine Inspiration aus der modernen Bewegung der Zwischenkriegszeit bezog. Hier sieht man die schlichten Volumen der Gebäude, die auf atypische Weise angeordnet sind, so dass eher ein Platz als eine Straße entsteht.

Dieter Bankert zählte zu jenen DDR-Architekten, die neuen Entwicklungen gegenüber besonders aufgeschlossen waren und sich nicht um offizielle Richtlinien scherten, was seiner Karriere nicht gerade förderlich war.

Sonia de Puineuf

Die Prager Straße vom Hotel Newa aus gesehen, 1970, Stadtarchiv Dresden, Fotograf-in unbekannt

Dieses Foto zeigt die Prager Straße, wie sie in den 1960er Jahren (neu) gebaut wurde. Überraschenderweise wurde diese Straße, die als zentrales Element der “sozialistischen Stadt” gedacht war, von westlichen Bauwerken wie der Lijnban in Rotterdam inspiriert. Die hohen Quergebäude mit ihren klaren Voluminabeherbergen auf der linken Seite Hotels für internationale Besucher und auf der rechten Seite Wohnungen für die Einwohner der Stadt. Sie sind hinter den niedrigeren Gebäuden, die für Geschäfte und Restaurants reserviert sind, in einem geschickten Rhythmus angeordnet, um eine urbane Komposition zu schaffen, in der der öffentliche Raum für Fußgänger aufgewertet wird. Die Prager Straße wird zu einer Stadt im kleinen Maßstab, zur alltäglichen Kulisse der glücklichen Gesellschaft. Einige Pflanzbeete und vor allem schöne Brunnen schmücken das Ganze.

Trotz ihrer strengen Voluminavermitteln die Gebäude auf der Prager Straße keinen erdrückenden oder feindseligen Eindruck. Die Fassaden sind mit Porzellanfliesen verziert, die auf subtile Weise an den historischen Reichtum Dresdens erinnern, das ein erstklassiges Reiseziel für Touristen ist.

Das Foto wurde von einem Fenster des Hotels Newa in der Nähe des Bahnhofs aufgenommen. Im Hintergrund rechts sieht man den Turm der Kreuzkirche, die Fassaden der Gebäude am Altmarkt und die modernere Fassade des Kulturpalastes, der so gebaut wurde, dass er die Perspektive der Prager Straße abschließt.

Sonia de Puineuf

Ulrich Häßler, Kulturpalast, Dresden (Arch. Leopold Weil & Klaus Wever, 1966-69), 1985, Bundesarchiv Koblenz, Bild_183-1985-0918-026

Dieses Foto zeigt den Kulturpalast, der Ende der 1960er Jahre nach langem Zögern und vielen Diskussionenin Dresden gebaut wurde. 

Der Kulturpalast ist ein Gebäudetyp, der für die Kulturpolitik der DDR charakteristisch ist. Es handelt sich um einen öffentlichen Ort, der für alle Arten von kulturellen Veranstaltungen (klassische Konzerte, Volksmusik, Aufführungen, Ausstellungen), aber auch für offizielle Feierlichkeiten des Regimes gedacht ist. Häufig befindet sich dort auch eine öffentliche Bibliothek (z. B. in Dresden). Der Bau dieser “Kulturhäuser” materialisierte den Traum vom Glück der Arbeiterklasse, die dank der kommunistischen Revolution Zugang zu den gehobenen Freizeitbeschäftigungen hatte, die zuvor der Bourgeoisie vorbehalten waren. Es handelt sich also um eines der starken Symbole der egalitären Gesellschaft.

Der Kulturpalast in Dresden ist ein elegantes modernistisches Gebäude, das wie ein Glaskasten auf Betonstützen steht. Seine Leichtigkeit bricht mit den massiven Volumen der Gebäude am Altmarkt aus den 1950er Jahren, denen er gegenübersteht. Es wird diskret von einem Metallkörper gekrönt, der einen Konzertsaal beherbergt, der nur aus der Vogelperspektive (wie hier) zu sehen ist. An der westlichen Seitenwand des Gebäudes wurde ein großes Mosaikbild angebracht, das vom “Weg der roten Fahne” berichtet.

Ursprünglich konnte man vom Kulturpalast aus die Perspektive der Prager Straße betrachten, doch heute sind zwischen diesen beiden Bausteinen der sozialistischen Modellstadt andere Gebäude gewachsen.

Sonia de Puineuf

Richard Peter sen., Wasserspiel mit Schalen (Künstlerin: Leoni Wirth), ca. 1975, SLUB Dresden Deutsche Fotothek

Nach ihrem (Wieder-)Aufbau wurde die Prager Straße zu einem beliebten Ort für die Dresdner, wie dieses Foto aus den 1970er Jahren beweist. Es zeigt eine Gruppe von Kindern, die am Becken der von der Künstlerin Leoni Wirth (1935-2012) geschaffenen Springbrunnen spielen. Sie ließ sich von Blumen und Pilzen inspirieren, die sie stilisiert wiedergab. Diese spielerische Gestaltung brachte Frische und eine festliche Atmosphäre in die geradlinige Stadtplanung der Prager Straße. Die komplexe, präzise geplante räumliche Anordnung der Brunnengruppen beeinflusste die Atmosphäre des Stadtraums entscheidend.

Die Brunnen von Leoni Wirth, insbesondere diejenigen, die Löwenzahnblüten („Pusteblumen“) darstellen, gehören zweifellos zu den beliebtesten Werken in Dresden aus der Zeit der DDR. Sie wurden jedoch nicht von allen als vollwertige Kunstwerke wahrgenommen und nach dem Fall der Berliner Mauer, als die Prager Straße neu gestaltet wurde, gnadenlos abgebaut. Der Brunnen wurde in viel kleinerem Umfang wiederhergestellt, und einige als überflüssig erachtete Elemente wurden isoliert an anderen Orten in der Stadt wieder aufgestellt – sehr zum Leidwesen der Künstlerin, die ihr demontiertes Werk als sinnentleert betrachtete.

Sonia de Puineuf

Jean-Baptiste Mathon, Rue de Siam, les Portiques, Brest, Aquarellzeichnung, 1948, verlorene Originale, Foto Privatsammlung.

Diese Zeichnung von Jean-Baptiste Mathon, dem für den Wiederaufbau von Brest verantwortlichen Architekten, zeigt einen Blick auf die Rue de Siam von den Kolonnaden der Gebäude entlang der Straße aus. Sie vermittelt eine ziemlich genaue Vorstellung von der ästhetischen Ausrichtung des Wiederaufbaus in Brest.

Mathon stellte sich Brest als eine weiße Stadt vor, in der Luft und Licht im Überfluss vorhanden sind. Um die architektonische Vielfalt einzudämmen, die durch die Entschädigungsverfahren für die kriegsgeschädigten Eigentümer hervorgerufen wurde, entschied er sich dafür, die wichtigsten Orte der Stadt zu monumentalisieren. Seine Gebäude sind klargeordnet und von imposanter Größe; ihre Erdgeschosse sind als Portiken mit schlichten Pfeilern gestaltet; ihre glatten Fassaden weisen vertikale Öffnungen auf; das oberste Stockwerk ist über einem Gesims zurückversetzt. Es ist eine elegante Welt, die aus geraden Linien, Wiederholungen und Symmetrie besteht. Die Moderne steht hier neben der Tradition.

Mathons städtebauliche Vision hat weder die Radikalität eines Le Corbusier noch die Nostalgie derer, die die Stadt gerne “identisch”, also wie vor dem Krieg wiederaufgebaut gesehen hätten. Seiner Meinung nach sollte Brest die Chance nutzen und sich auf eine Art und Weise wiederaufbauen, die der Zeit entsprach. Die Zeichnung, die Mathon (Rom-Preis 1923) für Brest anfertigte, bietet jedoch eine Atmosphäre und eine Perspektive, die den Idealstädten der Renaissance-Maler ähnelt…

Sonia de Puineuf

Brunnen-Skulpturen Les Lacs von Marta Pan in Brest, rue de Siam, 1989, Stadtarchiv Brest

Diese Fotografie zeigt die Brunnen, die von Marta Pan (1923-2008), einer in Frankreich ansässigen Künstlerin ungarischer Herkunft, geschaffen wurden. Die Brunnen befinden sich in der Rue de Siam an ihrer breitesten Stelle, die ursprünglich von einer Querachse unterbrochen wurde. Dies ist genau die Stelle, die Mathon 1948 in seiner Zeichnung darstellte.

Die Brunnen sind ein Auftrag der Stadt Brest aus den 1980er Jahren. Sie sind nur ein Fragment eines Kunstwerks, das sich von der Place de la Liberté bis zur Penfeld erstrecken sollte. Es dreht sich um das Thema Wasser, das als Metapher für das städtische Gedächtnis genommen wird und an verschiedenen Stellen wieder auftaucht. Das Projekt wurde nicht zu Ende geführt und nur die sieben Brunnen, die sogenannten Les Lacs, wurdenaufgestellt. Die geometrischen Volumen aus poliertem schwarzem Granit passen gut zu Marta Pans abstraktem Vokabular und der Idee einer universellen Kunstform, die sich nahtlos in die wiederaufgebaute Stadt einfügen kann.

Die Installation des Kunstwerks löste jedoch heftige Debatten aus. Bis heute haben die Brester eine leidenschaftliche Beziehung zu diesen Brunnen, die mal bewundert, mal gehasst werden. Ihre Präsenz im städtischen Raum zeugt von dem Willen, die Lücken zu füllen, die Mathons Stadtplanung real und im übertragenen Sinne des Wortes erzeugt hat.

Sonia de Puineuf

Yves Steff & Maxime Giraud-Mangin, New York’S sister, Entwurf für den Ideenwettbewerb, 1980, verlorenes Original, Foto Privatsammlung

Diese erstaunliche Zeichnung wurde bei einem Ideenwettbewerb eingereicht, den die Stadtverwaltung von Brest 1980 ausrief, um die Bevölkerung zur Beteiligung an städtebaulichen Überlegungen anzuregen. Es stammte von einem Duo junger Architekten, die sich von dem niederländischen Architekten Rem Koolhaas inspirieren ließen und einen Hauch von Provokation in dieses medienwirksame Ereignis einbringen wollten.

Die Place de la Liberté steht im Mittelpunkt dieses Projekts und des Wettbewerbs selbst, der den Platz zu einem lebendigen Gelenk zwischen der wiederaufgebauten Stadt und ihrer Umgebung machen wollte. Der monumentale, von Mathon nach dem Krieg entworfene Platz war damals als französischer Garten angelegt und seine Verbindung zur Rue de Siam war problematisch.

Die Zeichnung von Yves Steff und Maxime Giraud-Mangin zeigt ein riesiges Feuer, das sich in der bürgerlichen Stadt vom Hafen und der Burg (die vom Feuer geschwärzt wurden) bis zur Place de la Liberté ausbreitet. Die Stadt Brest ist nicht mehr wiederzuerkennen, da dort zahlreiche Wolkenkratzer aus dem Boden geschossen sind. In der Vorstellung der Architekten ist sie eine Zwillingsstadt von New York, wie die aus dem Wasser ragende Brandfackel zeigt, die der der Freiheitsstatue ähnelt. Im Gegensatz zu den nostalgischen Haltungen des malerischen Brest der Vorkriegszeit reaktivierte diese Zeichnung auf ihre Weise den alten Traum von Brest als Ozeanhafen.

Sonia de Puineuf

Thomas Will, Wiederaufbau der Frauenkirche, zwischen 1996-2005

Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde der konstruktive (oder rekonstruktive) Elan Dresdens durch einen lange Zeitheimlich gehegten Traum beflügelt: die Frauenkirche, Europas schönste protestantische Kirche, die Dresdens historischen Stolz darstellte, aus der Asche auferstehen zu lassen.

Der Wiederaufbau dieses Gebäudes war in der DDR, die eine städtische Präsenz des Religiösen ablehnte, nicht vorgesehen. Dies änderte sich 1989, als sich eine Bürgerinitiative gründete, die sich für das Projekt einsetzen wollte, das unter dem Namen “Dresdner Appell” bekannt wurde. Die Bevölkerung unterstützte das Vorhaben mit überwältigender Mehrheit, was durch ein lokales Referendum bestätigt wurde. Das Gelände wurde geräumt, unter anderem indem der wuchtige Anbau des Polizeipräsidiums, der in der Nähe der Kirchenruine errichtet worden war, abgerissen wurde.

Am 27. Mai 1994 wurde der Grundstein für die Frauenkirche gelegt. Die Bauarbeiten dauerten sieben Jahre, in denen der Architekt Thomas Will, Professor für Denkmalpflege und Entwerfen an der TU Dresden, regelmäßig vor Ort war, um den Fortschritt der Arbeiten zu dokumentieren.

Der Wiederaufbau konnte sich auf zahlreiche Archivdokumente, universitäre Forschung und Untersuchungen der an Ort und Stelle verbliebenen Ruinen stützen. Die vom Feuer geschwärzten Steine der alten Kirche wurden auf dem Neumarkt aufgestellt, nummeriert und in das neue Gebäude integriert. Die neue Frauenkirche hat auf diese Weise heute ein zweifarbiges Aussehen, das von ihrer bewegten Geschichte zeugt.

Sonia de Puineuf, Hans-Georg Lippert

Die Rue de Saint-Malo in Brest wird von der Organisation Vivre la rue besetzt

Die Rue de Saint-Malo, deren Ursprünge auf das 18. Jahrhundert zurückgehen, nimmt in Brest einen ganz besonderen Platz ein. Sie stammt aus einer anderen Zeit und wurde von den Brandbomben verschont. Sie befindet sich am rechten Ufer der Penfeld, gegenüber der wiederaufgebauten Stadt, im beliebten Viertel Recouvrance. Sie liegt in einer Hangnische unterhalb des (heute stillgelegten) Gefängnisses Pontaniou und ist ein kleines Wunder innerhalb der städtischen Zerstörung.

Es fehlte jedoch nicht viel und sie wäre unter den Schaufeln der Bulldozer verschwunden. Ende der 1980er Jahre beschloss der von Mireille Cann geleitete Verein Vivre la rue mit stillschweigender Zustimmung des Bürgermeisters Pierre Maille, diese malerische, geschichtsträchtige Gasse zu besetzen, um ihre Zerstörung zu verhindern. Nach und nach wurden die Mauern der baufälligen Häuser verstärkt, erstaunliche Gärten nisteten sich ein, und es wurden populäre Kultur- und Festveranstaltungen organisiert. Die Atmosphäre ist kinderfreundlich.

Die Rue de Saint-Malo ist ein Mut machendes Beispiel für die erfolgreiche Aneignung eines vernachlässigten städtischen Raums durch die Bevölkerung. Sie zeugt vom Wert menschlicher Investitionen bei der Schaffung der Identität einer Stadt. Sie ist ein geheimer und ungewöhnlicher Ort, den die Touristen von heute lieben und der dank der Hartnäckigkeit einiger Anwohner noch da ist.

Sonia de Puineuf

Kunsthofpassage, Neustadt, Dresden, 1999, Arch. Heike Böttcher

Der Stadtteil Neustadt am Nordufer der Elbe beherbergt ein emblematisches architektonisches Erbe aus dem späten 19. Jahrhundert. Hinter den Fassaden der Mietshäuser befanden sich in den aneinandergereihten Höfen Handwerksbetriebe und Manufakturen. Das Viertel, das die Bombenangriffe teilweise überstanden hat, litt während der DDR-Ära unter mangelnder Instandhaltung. Es wurde unhygienisch und unsicher.

1999 wurde mit einer Sanierungskampagne der Prozess des Imagewandels in der Neustadt eingeleitet. Dank eines sehr erfinderischen Ansatzes, bei dem sich künstlerische Sensibilität mit städtebaulichen Überlegungen vermischte, wurden die unattraktiven Orte zu erstaunlichen Oasen mit Cafés, trendigen Geschäften und gepflegter Vegetation. Der Block, der den Namen Kunsthofpassage trägt, ist das sinnbildlichste Beispiel für diese Metamorphose. Die Fassaden seiner Gebäude werden auf sehr spielerische Weise behandelt, wie die des türkisblauen Wasserhofs, wo der Regen dank der Trichterrinnen eine musikalische Komposition erzeugt.

Dieser Ort ist nun in jedem Reiseführer über das besondere Dresden zu finden. Er ist ein anregendes Beispiel dafür, wie man die Stadt mit Sensibilität und Originalität rekonstruieren kann, ohne den Geist und die Geschichte des Ortes zu verraten.

Sonia de Puineuf

Frédéric Le Mouillour, Brest. Stadtteil Kérigonan, 2013

Diese Luftaufnahme zeigt das Brester Viertel Kérigonan mit seinen kleinen Häusern mit bunten Fassaden. 

In diesem Viertel, das in der Zwischenkriegszeit entstand, wurden unter anderem die ersten preisgünstigen Wohnungen gebaut, um der damaligen Wohnungsnot entgegenzuwirken. Der Bebauungsplan präsentiert sich als eine sternförmige städtische Komposition: Die Straßen sind um einen zentralen, kreisförmigen Platz herum angeordnet. 

Die Häuser auf dem Foto sind kleine Familienwohnungen mit Gärten. Sie waren nicht immer so farbenfroh wie heute. Es heißt, dass ein Kindermädchen aus der Nachbarschaft eines Tages beschloss, sein Haus in bunten Farben zu streichen, und dass die Nachbarn ihr folgten. Wie dem auch sei, diese spontane Färbung des Viertels, die heute etwa 20 Jahre alt ist, bricht mit der Vorstellung einer grauen Stadt, die sich in den 1980er Jahren in Brest verbreitet hatte. Es handelt sich um eine Geste, die einen vorhandenen Zustand in Frage stellt und gleichzeitig eine verführerische Alternative anbietet. 

Der Wert dieser Bürgerinitiative wurde von der Stadtverwaltung anerkannt, die daraufhin Überlegungen zur Fassadenfärbung in Brest anstellte. Ein halbes Jahrhundert nach dem Wiederaufbau, als der Gebäudebestand an Überalterung zu leiden begann, hielt die Farbe Einzug in Mathons Idealstadt.

Sonia de Puineuf

Agence AFL (Stéphane Füzesséry & Paul Landauer), Zeichnung des Projekts Grand Balcon, 2022, Brest Métropole

Noch während das Plateau des Capucins seine Metamorphose abschloss, wurde die Operation “Coeur de métropole” gestartet, die eine langfristige Vision für die Entwicklung von Brest aufzeigen soll.

Die Architektin und Stadtplanerin Paola Viganò wurde beauftragt, in Absprache mit den Bewohnern und Akteuren des Gebiets über den städtischen Wandel nachzudenken. Der aus diesen Überlegungen hervorgegangene Masterplan entwirft Perspektiven bis zum Jahr 2040 und berücksichtigt dabei die Herausforderungen der heutigen Welt (Klimawandel, Entwicklung der Mobilität) und die Wünsche der Bevölkerung (engere Beziehung zur umgebenden außergewöhnlichen Landschaft).

Unter Berücksichtigung dieses Leitplans schlägt das Pariser Büro ABC eine Neugestaltung der Höhen vor, die das Ufer der Penfeld in Recouvrance dominieren. Fuß- und Radwege, die in ein System von Parks und öffentlichen Räumen eingebettet sind, sollen Teile der Viertel am rechten Ufer in einer durchgehenden Promenade miteinander verbinden. Von diesem „Großen Balkon“ aus können die Spaziergänger einen Panoramablick auf das linke Ufer (die wiederaufgebaute Stadt) genießen. Diese Landschaftsgestaltung artikuliert die Bewegung des Körpers, mit der man sich den Raum aneignet, und den Blick, den man auf die Stadt wirft und der so unerlässlich für die (Re-)Konstruktion einer städtischen Bildwelt ist.

Sonia de Puineuf

Jean-François Mollière, Das Kapuziner-Plateau im Umbau, April 2015

Das Plateau des Capucins de Brest verdankt seinen Namen einem Kloster, das im 17. Jahrhundert an dieser Stelle gegründet wurde. Die Gebäude der Mönche wurden während der Französischen Revolution (1791) beschlagnahmt; unter Napoleon I. gelangte das Plateau dann in den Besitz der kaiserlichen Marine. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die heutigen Gebäude errichtet, um Werkstätten für den Bau und die Ausrüstung von Kriegsschiffen unterzubringen. Diese Werkstätten blieben bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Ihre Schließung im Jahr 2004 eröffnete der Stadt Brest neue Horizonte für die Entwicklung des Geländes.

Es folgte eine Zeit umfangreicher Bauarbeiten, die nach einem Masterplan von Bruno Fortier durchgeführt wurden. Dieses Foto zeigt Kräne über imposanten Fassaden, deren industrielle Ästhetik keinen Zweifel an ihrem Charakter lässt.

Die Ateliers des Capucins öffneten 2016 ihre Türen für die Öffentlichkeit und der Ort wurde sofort von den Brestern angenommen. Die mit Respekt vor der Geschichte des Ortes restaurierten Gebäude können sich rühmen, der größte öffentliche Platz Europas zu sein, was in einer Stadt, in der es oft regnet, sehr angenehm ist. Die überdachte Place des Machines (4000 m2) ist ein großzügiger Platz, auf dem die Roller und Skateboards der Kinder ein Durchfahrtsrecht haben, wenn er nicht von Großveranstaltungen (Festivals, Messen, Filmvorführungen, Modeschauen usw.) belegt ist. Sie wird von einer Mediathek, einem Kino, einem Klettergarten und anderen Einrichtungen gesäumt. Auch Ausstellungen (wie unsere!) finden hier statt. Einige Geschäfte, Cafés und Restaurants vervollständigen das Ensemble, das noch nach der Perfektionierung seiner Identität sucht.

Eine städtische Seilbahn über die Penfeld verbindet die Ateliers des Capucins mit der wiederaufgebauten Stadt, um das Stadtzentrum zu erweitern und so ein neues Herz der Metropole zu schaffen.

Sonia de Puineuf

Renovierte Fassaden von Wohnhäusern aus der sozialistischen Ära, Dresden, Foto Quentin Arnaud, 2021

In den 1970er Jahren entwarfen Ingenieure und Architekten der Technischen Universität Dresden standardisierte Gebäude (Typ WBS 70 und andere), mit denen der wachsende Bedarf an Wohnraum in der DDR schnell gedeckt werden konnte. Das ganze Land sah an den Stadträndern die Türme und Riegel wachsen, in denen die von der Babyboomer-Generation gegründeten Familien untergebracht wurden.

Heute leidet dieser Gebäudebestand an Überalterung und wird saniert. Im Rahmen eines Dialogs wurde den Bewohnern vorgeschlagen, die Fassaden zu renovieren und Balkone in Form von vorgesetzten Metallstrukturen anzubringen, wie sie auf diesem Foto zu sehen sind. Dies ist eine effiziente und kostengünstige Möglichkeit, den Wohnraum zu vergrößern und die Wohnung für Licht und Luft zu öffnen. Diese Gebäude sind in der Regel von großen, von den Bewohnern wenig genutzten Grünflächen umgeben, auf denen die Vegetation gewachsen ist. Die Balkone ermöglichen eine größere Nähe zu dieser Stadtnatur. Es handelt sich um eine Maßnahme, die den Bewohnern während der Pandemiezeit einen unerwarteten Mehrwert gebracht hat.

Im Gegenzug werdendie großzügigen Flächen zwischen den Gebäuden verdichtet: Hier werden neue Wohnungen gebaut. So vermeidet die Stadt, sich in das Umland auszudehnen, das im Fall von Dresden für seine hohe landschaftliche Qualität bekannt ist.

Sonia de Puineuf

Das Kraftwerk Mitte Dresden renoviert

Das Kraftwerk Mitte in Dresden war ein mit Kohle betriebenes Heizkraftwerk, das seit 1895 bestand, in den 1920er Jahren von den Stadtarchitekten Paul Wolf stark erweitert wurde und 1994 nach 99 Jahren stillgelegt wurde. Im Jahr 2016 wurde ein Komplettumbau des Hauptgebäudes und der Abbruch des Nebengebäudes abgeschlossen und das Areal wurde als kulturelle Stätte vor allem für Operetten-, Musical- und Theateraufführungen neu eröffnet. Heute findet man hier das staatliche Operettentheater, die Proberäume der staatlichen Dresdner Musikhochschule Bistro und Café T1, die Musikschule des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden, und in der ehemaligen Trafohalle den sächsischen Standort der Heinrich-Böll-Stiftung für politische Erwachsenenbildung.

Die Idee ist zukunftsweisend: Das Kraftwerk Mitte Dresden soll sich zu einem lebendigen Standort aus Kultur, Kunst und Kreativität entwickeln. Der Stadtteil Wilsdruffer Vorstadt als Tor zur Dresdner Innenstadt wird um einen Anziehungspunkt reicher. In den letzten Jahren hat sich das Gebiet ohnehin zum gefragten innerstädtischen Quartier etabliert, in dem sich Wohnen, Arbeit und Kultur gegenseitig beflügeln.

Das Kraftwerk Mitte Dresden soll hierbei Impulse setzen: Einzigartige Industriebauten werden neu genutzt, Brachflächen wiederbelebt. Neubauten in hochwertig-ästhetischer Ausführung sollen den denkmalgeschützten Baubestand ergänzen und den Charakter des kreativen Quartiers unterstreichen. Grundsätzlich bleiben alle bestehenden Gebäude erhalten und das Erscheinungsbild des ehemaligen Heizkraftwerks gewahrt. Eindrucksvolle Industriedenkmäler erfahren ihre Wiederbelebung und geben dem Standort ein unverwechselbares Gesicht.

Hans-Georg Lippert

Thomas Will, Dresden, Rekonstruktion des Neumarktes, Mai 2008

Bereits in den 1980er Jahren wurde die Frage gestellt, ob man den Neumarkt “in seinen ursprünglichen Zustand” zurückversetzen könne, aber erst nach dem erstaunlichen Wiederaufbau der Frauenkirche schien dieser Traum möglich.

Um dieses sehr ehrgeizige Projekt zu verwirklichen, wurde eine Liste historischer Gebäude erstellt: bemerkenswerte Gebäude, die in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden sollten. Zunächst war die Liste auf 19 Gebäude beschränkt, aber sie wuchs schließlich auf 62 an.

Der Neumarkt und die umliegenden Straßen wurden nach den Plänen der Stadt umgestaltet, und die so entstandenen Grundstücke wurden an verschiedene Bauträger vergeben. Die Bauträger mussten sich an den Generalplan halten, um die Homogenität der neuen städtebaulichen Komposition zu gewährleisten, in der diese Gebäude aus der Asche des zerbombten Dresden auferstanden. In den Lücken zwischen den denkmalgeschützten Gebäuden wurden Neubauten errichtet, deren Gestaltung jede protzige Modernität vermied.

Der neue Neumarkt ist eine Stadt, die nur das äußere Erscheinungsbild der alten Dresdner Gebäude beibehalten hat: Hinter den barocken und eklektizistischen Fassaden verbergen sich überdachte Innenhöfe und Innenräume, die dem heutigen Wohnstandard entsprechen (Aufzüge und andere moderne Annehmlichkeiten). Dieser “identische” Wiederaufbau, der fast abgeschlossen ist, betrifft nur das Erscheinungsbild der Gebäude, da aus Gründen der Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit nicht versucht wurde, die Bautechniken der Vergangenheit wieder zu verwenden. Es handelt sich um einen wirkungsvollen Rahmen, der in Harmonie mit der Frauenkirche steht und den Blick der Besucher erfreut.

Wen2, Bilder aus Brest

Wen2 ist die Signatur eines Graffiti-Künstlers und das Pseudonym des Brester Künstlers Gwendal Huet. Wen2, der aus dem Umfeld der Street Art stammt, malt Fragmente von Brest und spielt dabei mit seiner Vorstellung von der verschütteten Stadt. Tief unter den Bürgersteigen und Gebäuden des wiederaufgebauten Brest verbergen sich nämlich die Trümmer der von Bomben zerstörten Stadt.

Wen2 lässt diese urbanen Stücke inmitten eines leeren Raums fliegen, wobei die unterirdischen Teile ans Tageslicht kommen. Natürlich versucht er nicht, sie exakt nachzubilden, sondern vielmehr, eine traumhafte, ja sogar fantastische Atmosphäre zu schaffen. Dank Wen2s Vorstellungskraft nehmen banale unterirdische Infrastrukturen seltsame Züge an: Unter dem Hotel Vauban sehen die Wasserrohre wie Kanonen aus.

Wen2s Bilder finden auch ihren Platz auf den Mauern der Stadt. Sein Stil ist gut etabliert und leicht erkennbar. Er spielt schelmisch mit dem Thema des städtischen Gedächtnisses. So lässt er auf dem Giebel eines Gebäudes im Viertel Quatre Moulins die Windmühlen wieder auferstehen, die dem Viertel seinen Namen gaben. Dennoch wendet er sich nicht von der heutigen Stadt und ihren Einrichtungen ab, wie ein Gemälde beweist, das die Pont de Recouvrance zeigt, über die eine Straßenbahn fährt.

Durch diese Bilder entsteht eine schwindelerregende Zeitspirale, die der linearen Geschichte der Stadt widerspricht und ein unaufhörliches Hin und Her zwischen Träumen und Realitäten suggeriert, das nachwirkende kollektive Bilder (re)konstruiert.

Sonia de Puineuf

Gwenaëlle Magadur, La Ligne Bleue, Brest, 2000

Diese temporäre Installation wurde von der Brester Künstlerin Gwenaëlle Magadur mit der Unterstützung der Stadt Brest, des Departements Finistère und der Region Bretagne geschaffen. Die Blaue Linie markiert den großen Gürtel der Festungsmauern von Brest, der von Vauban im 17.Jahrhundert geschaffen wurde. Diese Mauern wurden nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge des Wiederaufbaus abgerissen, damit die Stadt sich vergrößern konnte.

Mehrere Jahrzehnte lang war dieses “Brest, von dem nichts bleibt” (um die Worte von Jacques Prévert zu zitieren) völlig aus der Vorstellungswelt der Einwohner verschwunden. Gwenaëlle Magadur suchte nach den Spuren dieser in Schweigen gehüllten städtischen Vergangenheit und schlug der Stadtverwaltung vor, eine vergängliche blaue Linie auf dem Verlauf der alten Festungsmauer zu zeichnen. Im Vergleich zu anderen Kunstaufträgen der Stadt zeichnete sich dieser Auftrag dadurch aus, dass es sich zunächst um eine persönliche Suche, eine private Initiative handelte.

Die Blaue Linie entstand tatsächlich im Jahr 2000 und löste bei den Einwohnern Fragen aus, da sie zunächst schlecht über die Natur dieser atypischen Bodenmarkierung informiert waren. Die als “Haut” konzipierte Linie, die täglich von den Schritten der Passanten gerieben wurde, verblasste allmählich (wenn auch nicht so schnell wie erwartet). Nichtsdestoweniger hat sie ein allgemeines Bewusstsein für das Potenzial der historischen Vorstellungswelt von Brest geweckt. In denselben Jahren wurde dieses durch die Organisation maritimer Feste reaktiviert, die den Bewohnern der Stadt den Zugang zu den Ufern der Penfeld, einem Militärgelände, ermöglichten. Diese Erfahrung war für die Künstlerin übrigens der Auslöser für die Blaue Linie, das vergängliche Kunstwerk, das heute ebenfalls Teil des Imaginariums von Brest ist – einer Palimpsest-Stadt.

Einige Jahre später arbeitete Gwenaëlle Magadur gemeinsam mit dem Architekten Sylvain Le Stum an der Erinnerung an Recouvrance und die Ufer der Penfeld. Aus diesem künstlerischen Aufenthalt entstand das Werk La ville en mutation, das aus Fotomontagen (Installationsvorschlägen) besteht, in denen die zerstörten Parzellen des populären Hafenviertels und die verschwundenen Fassaden der unter dem wiederaufgebauten Brest vergrabenen Stadt erscheinen.

Sonia der Puineuf

Birgit Schuh, Schokofluss, Dresden, 2011 

“Schokofluss” (Fluss aus Schokolade) entstand im Kontext eines Kreativnetzwerks, das 2010 von den Künstlerinnen Anke Binnewerg und Birgit Schuh ins Leben gerufen wurde. Schauplatz war der Plauenschen Grund, das von Felswänden gesäumte Tal des Flusses Weißeritz, das bei dem ehemaligen Flößer- und Mühlendorf Plauen im Südwesten des Dresdner Stadtgebiets ins Elbtalbecken einmündet. Im 18. Jahrhundert war dieses Tal Schauplatz prachtvoller höfischer Feste und später inspirierte es die Maler der Romantik. Mit dem Bau der 1869 fertiggestellten Eisenbahnlinie Dresden-Chemnitz mutierte der Talgrund dann zu einem Industrie- und Verkehrsraum, dessen kunst- und sozialhistorisch interessante Vergangenheit zuletzt nur Wenigen bekannt war. Seit 2008 machen Künstler aber wieder symbolisch auf diese Vergangenheit aufmerksam, erzählen von ihr und stiften auf diese Weise eine neue kollektive Erinnerung. “Schokofluss” bestand aus quadratischen, glänzend braun lackierten Betonsteinen in einer Entwässerungsrinne, die den Fußweg in das Tal diagonal querte. Die Installation erinnerte auf poetische Weise an die in Dresden-Plauen im 19. Jahrhundert blühende Schokoladenindustrie und verlieh dem Ort eine überraschende Aura, aber als Teil eines vielbenutzten Fuß- und Radwegs konnte und sollte diese Wirkung nicht lange anhalten. Der Lack auf den Steinen nutzte sich ab, und 2016 wurde die Installation im Zuge von Bauarbeiten komplett beseitigt, was die Künstlerin auf einer noch am Ort vorhandenen Informationsstele selbstironisch so kommentiert: “Der Schokofluss von Birgit Schuh floss seit 2011 durch die Gosse bei der Hofmühle und verlor die Fassung. 2016 versiegte er gänzlich”.

Hans-Georg Lippert

Mnemosyne, Wasserkunstwerk der Dresdner Sezession 89 e.V., Dresden, 1993-2000

Der WasserKunstWeg Mnemosyne verdankt sich einer Künstlerinnen-Initiative, die aus der “Dresdner Sezession ʾ89” hervorging und Anfang der 1990er-Jahre die Idee entwickelte, die zahlreichen, durch stadtplanerische Überformungen größtenteils verdeckten oder verschwundenen kleinen Stadtgewässer Dresdens durch künstlerische Kommentare wieder in Erinnerung zu rufen. Wichtigster Schauplatz wurde ab dem Jahr 2000 der Kaitzbach, ein knapp zwölf Kilometer langer Wasserlauf, der links der Elbe das südliche Stadtgebiet Dresdens durchzieht. Er entspringt in einem zur Stadt hin durch eine Hügelkette abgeschirmten Tal, erreicht beim Großen Garten das Gebiet der Dresdner Innenstadt, kreuzt das ehemalige Festungsglacis und mündet schließlich unmittelbar östlich der Brühlschen Terrasse in die Elbe. Etwa die Hälfte des Bachlaufs liegt heute unterirdisch und ist im Stadtbild nicht mehr sichtbar; auch die großen vorstädtischen Teiche, die der Kaitzbach früher einmal speiste, sind verschwunden.

Dieser Umstand nahm die Künstlerinnen zum Ausgangspunkt für ihre Arbeit. Als Namensgeberin wählten sie eine Figur aus der antiken griechischen Mythologie: Die Titanin Mnemosyne, Tochter des Uranos und der Gaia (also des Himmels und der Erde), Geliebte des Zeus und Mutter der neun Musen. Im griechischen Pantheon ist Mnemosyne die Gottheit des Gedächtnisses und der Erinnerung, sie steht aber auch für Wasser, Weiblichkeit und Kunst.

Die Künstler akzentuierten den Lauf des Kaitzbachs von der Quelle bis zur Mündung durch unterschiedliche künstlerische Hinzufügungen, die gemeinsam eine Erzählung formulierten. Das geschah auch dort, wo der Bach unterirdisch verläuft, so dass er indirekt wieder im Stadtraum sichtbar und in Erinnerung gerufen werden konnte. Einige der künstlerischen Kommentare sind sehr unscheinbar und für Ortsunkundige kaum zu finden, etwa die von BKH Gutmann geschaffene Installation Haltepunkte auf dem Georgsplatz vor dem Dresdner Rathaus. Im Stadtbild sehr präsent ist die Installation Aqualux von Kirsten Kaiser, die den Mündungsbereich des Kaitzbachs in dem zum Park umgestalteten ehemaligen kurfürstlichen Gondelhafen an der Elbe markiert. Sie besteht aus einer langen Reihe gebogener Acrylglasscheiben, die einen virtuellen Bachlauf darstellen und bei Dunkelheit von innen heraus blau leuchten, was eine sehr poetische Wirkung erzeugt.

Hans-Georg Lippert

Stéphane Couturier, Georg-Treu-Platz in Dresden, Silberfotografie aus der Serie Urbane Archäologie, 1997

1997 wurde der Fotograf Stéphane Couturier vom Institut français in Dresden zu einem Künstleraufenthalt eingeladen. Dabei entstand eine Reihe von Bildern, die auf ganz besondere Weise die Wiederaufbauarbeiten festhalten, die im historischen Stadtzentrum unternommen wurden.

Der Künstler baut seine Bilder nach einer bestimmten Methode auf, die darin besteht, die beobachtete Szene durch eine Komposition aus einem orthogonalen Raster und durch das Fehlen eines Fokus zu verflachen. Alle Elemente sind gleich wichtig. Diese einem Archäologen vergleichbare Gründlichkeit führt zu einer absichtlich angestrebten visuellen Verwirrung zwischen verschiedenen Ebenen des Bildes. Dies ist auch bei der Aufnahme des Georg-Treu-Platzes der Fall, auf der ein Bild im Bild erscheint: Es handelt sich um die Plane, die das historische Gebäude zeigt, dessen originalgetreuer Wiederaufbau begonnen wird. Im Vordergrund sind die Stützen der Kräne und die ärmlichen Relikte eines barocken Palais zu sehen, im Hintergrund das Gebäude des Albertinums (ehemaliges Zeughaus, heute Museum für Kunst des 19. und 20.Jahrhunderts), dessen Dach oben absichtlich abgeschnitten ist, um die Horizontlinie aus dem Bild zu nehmen. All dies führt dazu, dass das Ergebnis auf den ersten Blick eher einer Fotomontage als einer realen Aufnahme ähnelt.

Stéphane Couturier spielt gerne mit der Zweideutigkeit der vermeintlichen fotografischen Objektivität. Er konzipiert diese Bilder mit einer hohen Auflösung, damit sie in sehr großen Dimensionen abgezogen werden können, und baut so eine echte Umgebung für den verunsicherten Betrachter auf. Der Künstler hinterfragt unsere Fähigkeit, eine kritische Distanz zum Bild der Stadt in ewiger (Re-)Konstruktion einzunehmen, das er uns in einem flüchtigen Moment ihrer Geschichte präsentiert.

Sonia de Puineuf

Jahna Dahms, Parkplatz: Die verborgene Schönheit historischer Schichten.

Das Projekt entstand aus der Auseinandersetzung mit der archäologischen Hypothese, dass sich im Herzen Dresdens vor der eigentlichen Stadtgründung eine alte Siedlung mit einem bronzezeitlichen Kultplatz befunden haben könnte. So entstand die Idee, dass der Ort der Dresdner Frauenkirche nicht nur der historische, sondern möglicher-weise auch der spirituelle Ausgangspunkt der Besiedlung war, was die große Sehnsucht nach dem Wiederaufbau der Frauenkirche erklären könnte, obwohl es zu dieser Zeit keine Gemeinde für diese Kirche gab.

Um diesem Gedanken nachzugehen und den Ort besser zu verstehen, wurde eine gründliche Vermessung durchgeführt. Dabei wurde ein ungewöhnlicher Abstand der Markierungslinien auf einem Parkplatz festgestellt.

Archäologische Ausgrabungen in den Jahren 2001/2002 bestätigten die Existenz der ältesten Kirche und der bronzezeitlichen Siedlung und legten Siedlungs- und Bauschichten aus fast allen folgenden Jahrhunderten frei. Mit Unterstützung des Landesamtes für Archäologie Sachsen konnte eine erstaunliche Übereinstimmung zwischen den Mauerkronen verschiedener Jahrhunderte und der Struktur des bronzezeitlichen Gräberfeldes mit den Markierungslinien des Parkplatzes als künstlerische Korrespondenzhypothese entwickelt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen und dem Investor Arturo Prisco konnten die Markierungslinien des Parkplatzes auf der Grabungsfläche rekonstruiert werden.Die großformatige, planimetrische Zeichnung überlagert nicht nur die Bodenstruktur der Grabung, sondern auch die Höhenunterschiede der Mauer-kronen von bis zu 8 Metern.

Die künstlerische Arbeit zeigt eine außergewöhnliche Kongruenz zwischen der histori-schen Anlage des Ortes und dem Parkplatz, die sich über die Jahrhunderte wiederholt hat. Aus derVogelperspektive wurde die faszinierende Deckungsgleichheit verschiedener historischer Schichten im Grabungsplan sichtbar. Die Zeichnung vermittelt den Genius Loci des Ortes und offenbart die faszinierende Schönheit historischer Kontinuität.